manches für ihre mütterliche Freundin erſchreckende Schnippchen ſchlug und überhaupt des Heuchelns unfähig war, ſo ließ ſie doch ihre unbeſchreiblich entzückende Natürlichkeit und die phantaſtiſche Freiheit ihres beweglichen Geiſtes nur in jenen vertrauten Augen⸗ blicken vor dem Lehrer ganz ſchrankenlos walten, wodurch ſie ihn in eine Art ſtiller Verſchwörung verſtrickte und nach und nach unvermerkt gefangen nahm. Daß Fräulein Laura hierin, ſo einzig ſie auch ſonſt ſein mochte, den Geſetzen der weiblichen Natur ge⸗ folgt ſei, läßt ſich leicht erachten; hatte ja doch ſchon die erſte Begegnung jenen eigenthümlichen Blick entladen, mit welchem ſie zu fragen und heranzurufen verſtand. Am kürzeſten iſt ſein Schickſal ausgeſprochen in den Worten:„Halb zog ſie ihn, halb ſank er hin.“ Daß er aber darum, wie die Ballade ſchließt, nicht mehr geſehen worden wäre, folgt nicht daraus: vielmehr war er um dieſe Zeit ſichtbarer als je. Er fühlte daß er etwas geheim zu halten habe, und ſo verbarg er ſein Geheimniß unter der lauteſten Fröhlichkeit im Kreiſe der jungen Geſellen. Dieß gelang ihm um ſo leichter da Schiller für den Augenblick die Zielſcheibe der Witze war, welche durch ſeine Lauralieder in vertrauter Geſellſchaft her⸗ vorgelockt wurden. Der Dichter ſelbſt war offenherzig genug es nicht gerade zu beſtreiten daß hier eine unzulängliche Wirklichkeit zum Ideal habe herhalten müſſen, und Heinrich, der das magere Frauchen, mit etwas Seele in den waſſerblauen Augen, mehrmals geſehen hatte, ſtimmte luſtig in die Neckereien ein, obgleich er den Namen nie ohne eine gewiſſe Bangigkeit über die Lippen brin⸗ gen konnte. Die Räuber hatten auch bei Hofe Aufſehen gemacht, obwohl nicht zu Gunſten des Dichters. Franzöſiſche Schriften, worin der Zuſtand der Geſellſchaft in Frage geſtellt war, wurden, wenn 3 auch mit einiger äußerlichen Apprehenſion, doch im Stillen gern geleſen; die neueren deutſchen Erzeugniſſe aber, welche den Boden der Geſellſchaft ganz verließen, waren 4* fremdartig um ein Ver⸗
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


