5
weniger als von den Vögeln unter dem Himmel weiter getragen wurden; denn jene waren viel zu ſehr von ſeiner Tüchtigkeit über⸗ zeugt, als daß ſie ihm etwas hätten geſchehen laſſen, und ſie pflegten ihre Meinung von ihm mit den Worten auszudrücken: „Er iſt ein ganzer Schulmeiſter; daß er unſre Buben gehörig herhaut, herſtriegelt und herrichtet, das muß man ihm laſſen; aber freilich, ein bös Maul hat er.“ Der Zuſatz ſollte keineswegs ein Verwerfungsurtheil ſein, denn dieſes böſe Maul ſprach oft genug eine Meinung aus, die ihre eigene war; da ſie aber an dem Inhaber deſſelben allerlei Schwachheiten kannten, ſo ſpielte er bei ihnen doch keine ſo große Rolle als er ſich einbilden mochte, und gehörte darum zu den vielen Leuten in der Welt, welche mehr reden als ſie gelten. Dieſes Bewußtſein aber, wenn es ihm jemals klar wurde, hielt ihn nicht ab ſeine Rede fortzuſetzen. Was? rief er, einen Tyrannen vertheidigen, der eure Felder ver⸗ wüſtet, das Mark des Landes ausſaugt, der eure Söhne aus den Betten reißt und ſteckt ſie in ſeine ſteife Montur—
Aber, fiel der Schneider etwas ſchüchtern ein, das iſt doch nicht mehr ſo arg, ſeit die Herren von der Landſchaft mit dem Herzog Prozeß geführt haben.
Die? rief der Schulmeiſter und ſchlug ein höhniſches Gelächter auf: dieſe guten Freunde haben ſchön für euch geſorgt, die haben ihr Schäfchen gleichſam bei der Gelegenheit geſchoren! Was thun ſie denn jetzt, nachdem der Vertrag ſchon ſeit Jahren zu Stande gekommen und tauſendfach ſeitdem wieder übertreten und gebrochen worden iſt? Ich will euch was ſagen: wenn ihr die Herren vom Hof zum Land hinaus jagen wollt, ſo bindet je einen mit einem von der Landſchaft zuſammen, es geht gleichſam in Einem hin, und hat's einer ſo gut verdient wie der andere. Schmarozer und Speichellecker! Was ſagt der große Schubart, poeta celerrimus, von den Fürſtendienern in ſeiner Vaterlandschronik, die ich neulich in der Apotheke zu Vaihingen geleſen habe?
Ich glaub', flüſterte der Schneider den andern zu, während


