Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

XII

dann mit gelinder Manier wieder aus. Die beiden andern waren von einem vornehmeren Schlage. Montmartin, von dem man wiſ⸗ ſen wollte daß er ſich durch zweideutige Verdienſte um den kaiſerli⸗ chen Hof die Reichsgrafenwürde erſchlichen habe, kam nicht lang nach der Thronbeſteigung des Herzogs in das Land, und wußte ſich durch einſchmeichelnde Feinheit und eine Dienſtfertigkeit die auch die niedrig⸗

ſten Wege nicht ſcheute, ſeinem Herrn bald unentbehrlich zu machen.

Ihm ſtand Rieger zur Seite, ein offener feuriger Charakter, der unter dem beſcheidenen und doch für ſeine Jahre und ſeine bürgerliche Her⸗ kunft ſtolzen Titel eines Oberſten in der Armee und in der Landesver⸗ waltung unumſchränkt, gewaltthätig, übermüthig ſchaltete, und mit trotziger Unerſchrockenheit alle die gehäſſigen Plane ausführte, die der verſchmitzte und feige Miniſter in der Stille ausgebrütet hatte. Bald aber begann dieſer ſeinen Einfluß zu fürchten, und der hoch⸗ fahrende verblendete Mann war untergraben ehe er es dachte. Sein Glanz und die furchtbare Kataſtrophe die ihn in einen Abgrund des Clends ſchleuderte, ſind durch Schiller's NovelleSpiel des Schickſals jedermann bekannt. Die Urſache ſeines Sturzes aber iſt ein Geheimniß geblieben: ein Briefwechſel mit den feindlich ge⸗ ſtellten Brüdern des Herzogs, nach andern Angaben mit einem hohen preußiſchen Offizier, Documente jedenfalls, die, wenn ſie echt waren, groben Mißbrauch des fürſtlichen Vertrauens beurkun⸗ deten, die aber von Montmartin angeblich aufgefangen worden waren, ſollen den Herzog zu der grauſamen Rache geſtachelt haben, die er gegen das Ende des ſiebenjährigen Krieges über ſeinen Liebling verhängte. Rieger wurde auf Hohentwiel mehrere Jahre lang in einer ſolchen Gefangenſchaft gehalten daß ihm ſelbſt das Mitleid der Patrioten dahin folgte; nach ſeiner Befreiung mußte er das Land meiden und trat erſt ſpät, als die Zeit die ſchroff⸗ ſten Spuren ſeiner Leiden und des fürſtlichen Grolls ausgelöſcht hatte, wieder in die herzoglichen Dienſte, wo wir im Verlauf un⸗ ſerer Begebenheiten mit ihm zuſammentreffen werden.

Kurz nach ſeinem Falle ging der Krieg mit Friedrich dem

*

.