Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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XI

konnte dieſe angelernte Weisheit nicht lang vorhalten. Leiden⸗ ſchaften, die bei der Jugend gewöhnlich die Zeichen großer Anla⸗

3 gen ſind, begannen unbezähmbar in ihm zu erwachen, die Schmei⸗ chelei des Hofes kam ihm auf mehr als halbem Weg entgegen, er fühlte die gefährliche Macht die in ſeine Hände gegeben war, und adoptirte nur zu willig die orientaliſchen Regierungsgrundſätze die ſich um jene Zeit von Frankreich aus an den deutſchen Höfen ein⸗ geniſtet hatten, die er vielleicht ſelbſt an dem Hofe ſeines angeſtaun⸗ ten Erziehers unter der Firma loyaler Redensarten gelegentlich hatte ausüben ſehen. Eine Heirath, die ſeine beſorgten Räthe als herge⸗ brachtes Dämpfungsmittel vorſchlugen, endigte mit einer Tren⸗ nung, und nun begann für den Fürſten und ſein Land eine trau⸗ rige Schule der Erfahrung, in welcher dieſem aller Druck einer zügelloſen Regierung, jenem aber die Unluſt und der innere Un⸗ friede der im Genuß ſich verzehrenden Despotie zu Theil wurde. Zu beider Unglück fanden ſich ſchnell geſchickte Werkzeuge, die

den Willen ihres Herrn oft in weiterem Umfang ausführten als ſein nicht immer erſtickter natürlicher Edelmuth, ohne die Reizmit⸗ tel der Schmeichelei und Aufhetzung, zu befehlen fähig geweſen wäre. Der derbſte in dieſem Kleeblatt war Wittleder, ein Aben⸗ teurer, der ſich vom Handwerksburſchen zum Kirchenrathsdirector emporgeſchwungen hatte und dem Dienſthandel eine unerhörte Or⸗ ganiſation gab. Er hatte zu Ludwigsburg eine eigene Bude er⸗ richtet, wo alle Landesämter vom höchſten Range bis herab zum Nachtwächtersdienſt um verhältnißmäßige Geldſummen nicht bloß zu haben waren, ſondern gekauft werden mußten, wenn einer nicht Gefahr laufen wollte ſich auf dem geſetzmäßigen Wege ſein Leben lang vergebens zu bewerben. Er betrog den Herzog, der für ſeinen ungeheuren Aufwand und die Anſprüche ſeiner italie⸗ niſchen Maitreſſen immerwährend um jeden Preis Geld brauchte, auf eine empörende Art, aber dieſer wußte auch hieraus ſeinen Vortheil zu ziehen; denn er wartete jedesmal geruhig ab bis der unerſättliche Schwamm ſich recht vollgeſogen hatte, und drückte ihn