II. Herzog Karl.
Es war dem Herzogthum Wirtenberg eine ſchwere Prüfung zugedacht, als das zweite Drittel des achtzehnten Jahrhunderts begann, und der Herzog Karl Alexander— eben, wie die prote⸗ ſtantiſchen Prälaten und Stände des Landes fürchteten, ſein vielleicht nur aus politiſchen Gründen angenommenes katholiſches Glaubens⸗ bekenntniß durch eine gewaltſame Revolution in Wirtenberg ein⸗ zuführen beſchäftigt— eines plötzlichen Todes ſtarb. Sieben Jahre nachher wurde ſein Sohn Karl, in einem Alter das zu jedem an⸗ dern Ding geſchickter iſt als zu einem Scepter, fuͤr mündig erklärt. Dieſen übereilten Schritt, deſſen nächſte Urſache in den Streitig⸗ keiten der Landesadminiſtration mit der ehrgeizigen Herzogin Wittwe lag, hatte Wirtenberg der Verwendung Friedrichs des Großen und den Bemühungen eines gewandten Unterhändlers am kaiſerlichen Hofe, des fränkiſchen Freiherrn von Montmartin, der nur zu bald die Früchte von dieſem vorzeitigen Baume erntete, zu verdan⸗ ken. Die erſte Sorge der Landſchaft war, durch einen Revers die Landesreligion gegen ihren katholiſchen Fürſten, von deſſen Denkungsart ſie in dieſer Hinſicht wohl nichts zu fürchten gehabt hätte, ſicher zu ſtellen. Seine Regierung gewährte anfangs glück⸗ iche A chhten, ſo lang er als ein talentvoller Scholar an ſeiner Berliner Erziehung und an den Lehren zehrte
würdig, indem er in jugendlichem Eifer ein philoſophiſches Buch über die Tugenden und Laſter ſchrieb.
gling wie Herzog Karl, der von der Na⸗ tur mit allen Eigenſchaften der Selbſtändigkeit und mit einem
durchdringenden, obwohl ungebildeten Verſtand außgeauſe war,
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