Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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IX

ſind nicht einmal national: die beſten Kräfte der Kaiſerzeiten zer⸗ ſplitterten ſich in der Fremde, und wir haben(wenigſtens unter den hiſtoriſch bekannteren) faſt nur Eine Epoche die durchaus deutſch war, dafür aber auch der ganzen übrigen Welt mehr oder weniger ihr Gepräge aufdrückte, eine Zeit wo religiöſe und politiſche In⸗ tereſſen, aufs Innigſte vermiſcht, Ein großes Feuer entzündeten, das von Nord zu Süd und bis in den fernſten Winkel des weiten Landes ſchlug und ſeine Heldenherzen zu Großthaten wie zu Ver⸗ brechen, aber auch dieſe in ihren Urſachen großartig, verſammelte. Die Geſchichte unſres Volkes ſollte ein langſames Reifen darſtellen, und jedes gewaltſame Unternehmen das dem innern Gang der Bildung vorgriff ſollte ſein Ziel perfehlen: die Reformation, deren tiefere Wirkungen erſt für uns fühlbar zu werden beginnen, mußte der Gleichgiltigkeit und dem Fanatismus, zwei ſehr nahe ver⸗ wandten Gegenſätzen, Platz machen, und der dreißigjährige Krieg, der kaum in etwas anderem national iſt als in ſeinem Elend, verlöſchte mit den Völkerfluthen der halben Europa faſt jede Spur von alten Erinnerungen. Was er und der ihm folgende Frie⸗ denszuſtand hinterließ war ein Heimweh aus der Heimath hinaus, das, mit dem Andenken an ermordete Eltern und an ſelbſterlebtes Unrecht durch Betrug und Gewalt, auf eine Felſenburg im fernen ſtillen Meere floh. Und bis der Deutſche ſich ſo weit erholte um wieder heimiſch in der Heimath werden zu können, kamen neue Stürme, die ſie von Grund aus umwühlten. So war es ihm immer zu weh um die heimiſchen Erinnerungen hegen und pflegen zu können, denn dazu gehört ein Behagen das den Schotten nie ganz verlaſſen hat: dieſes Behagen geſellt ſich gerne zum Schauer den ein abgebranntes Gehöft erregt, aber es weicht von dem Jam⸗

mer eingeäſcherter Städte und Länder. Dafür haben unſre Dichter

einen um ſo großartigeren Stoff.