Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

VII

dürfniſſen der Zeit; dieß iſt eins der tiefſten. Nicht um roman⸗ tiſche Verwicklungen handelt es ſich, ſondern das Leben ſoll dargeſtellt werden, das mit ſeinen kleinen Zügen oft einen über⸗

raſchenden Commentar zu den größten politiſchen Ereigniſſen gibt, und die Verwandtſchaft lang hingeſchwundener Generationen in ihrem Fühlen und Streben mit dem Geſchlecht von heute ſoll her⸗ vortreten, auf daß unſre Zeit, die beſtimmt zu ſein ſcheint das Wollen und die Bewegungen ſo vieler Jahrhunderte noch einmal zuſammenzufaſſen und ſtürmiſch oder friedlich, aber jedenfalls kräf⸗ tig zu Ende zu führen, von dem Gipfel wo ſie angelangt die V Vergangenheit klar überſchauen und in ihrem Spiegel die Zukunft erkennen möge. Durch dieſe Aufgabe wird der Dichter zum hell⸗ ſehenden Geſchichtſchreiber, aber es iſt freilich nicht zu erwarten daß jeder an dieſen Magnetismus glauben ſolle. Poeſie iſt eine Mit⸗ gift die jeder Menſch in der Wiege erhalten hat, aber manchem iſt ſie über der kleinlichen Wahrheit der Jahrszahlen und Namen 4 verloren gegangen. Der Mythus verträgt ſich ſchlecht mit der Chronologie, wie man ſchon von der trojaniſchen Helena weiß, und wenn der Dichter, um das treue Bild einer Zeit zu geben, eine Maſſe von Zügen in Eine Gruppe vereinigen will, ſo muß es ihm vergönnt ſein ſie in eine andre Ordnung zu bringen und V an einem willkürlichen Faden aufzureihen. Iſt es doch in der Wirklichkeit eben ſo: der Berg der in einer landſchaftlichen Fern⸗ ſicht klſein genug war um dem Auge einen Ueberblick in noch fernere Gegenden zu geſtatten, wird, wenn wir uns ihm nähern, ſo hoch als der auf welchem unſer erſter Standpunkt war: was . hinter uns liegt erſcheint uns beim Zurückſehen fremdartig ver⸗ ſchoben; den Mond bedecken wir mit einer Hand; jeder Schritt 1 bringt neue Täuſchungen, und die ganze Welt erblicken wir unter dem Geſetz der Perſpective. Es iſt auch das Geſetz des hiſtori⸗ ſchen Romans. Bewundern wir aber den Homer von Schottland, ſo dürfen wir auch ſein Glück beneiden. Wir ſehen in unſrem Vaterlande

=