Was that denn aber das blaſſe Mädchen? fragte ich.
Was wird ſie gethan haben? verſetzte die Alte. Aus dem Maul des jungen Burſchen war der böſe Geiſt in ſie gefahren, und fort ging ſie zum Apotheker. Nun, die Knochen will ich Euch zum Abnagen laſſen, Nachbar.
Danke, will's aber kurz damit machen. Das verwahrloste, verlaſſene, unſinnige Mädchen rannte allerdings in die Apotheke, denn leider trug ſie ein paar geſchenkte Kreuzer bei ſich. Bei jenen Worten war ihr alles Denken und Fühlen vergangen; ſie hatte nur noch Einen dunkeln gebieteriſchen Trieb. Eine Stimme, ſagte ſie nachher aus, habe ihr immer ins Ohr gerufen, ſie müſſe es thun. Leider war der Apotheker, wie es in ſolchen verhängnißvollen Fällen zu gehen pflegt, arglos verblendet, und ihr ſonderbarer Blick fiel ihm nicht auf. Sie empfing das tödt⸗ liche Mittel, brachte den Wein nach Hauſe, und während im Wohnzimmer fröhlich auf die Geneſung des Kindes, auf das Gedeihen der Familie angeſtoßen wurde, eilte ſie in die Schlaf⸗ kammer, trat an das Bettchen und vollbrachte, ein kindiſcher Würgengel, ihr abſcheuliches Werk. Ein durchdringender Schrei des Kindes, der aber alsbald verſtummte, rief die Mutter her⸗ bei, die, mit dem Licht in der Hand ſich dem Bette nähernd, ſchon von Weitem ein gräßlich Bild erblickte. Die ſchwächliche Natur des Kindes, die ſogleich unterlegen war, hatte die freilich unwiſſende Grauſamkeit der bejammernswerthen Mörderin ver⸗ mindert. Man fand ſie im entlegenſten Winkel des Hauſes. Die Starrſucht ihres Gemüthes, denn anders weiß ich's nicht zu nennen, hatte nachgelaſſen. Sie lag auf den Knieen, drückte den Kopf an die Wand und ſchluchzte beſtändig: Du biſt jetzt ein Engel und wir kommen Beide heim! Heim, heim! antwor⸗ tete ſie auf alle Fragen, die man ihr that. Vor den Mißhand⸗ lungen der Mutter ſchützte ſie der Vater mit Mühe; er fragte 23*


