Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſagte er, und da gibt's noch genug Tränklein, die einen in die

ſchwarze Schublade fördern können, ohne daß man ſie für Gift

ausgeben kann. Wenn mir einmal des Lindenwirths Rother

nicht mehr ſchmeckt, oder wenn ich ſonſt Würmer im Hirn hab',

ſo geh' ich in die Apotheke und kaufe mir Vitriolöl. Schwefelſäure! unterbrach ſie der Buchdrucker etwas indi⸗

gnirt, denn er hatte ſich auch einige chemiſche Kenntniſſe an⸗

geeignet. Meinetwegen alſo Schwefelſäure. Für einen Kreuzer, ſagte

er, krieg' ich genug, um mit euch und der ganzen Kameradſchaft

abfahren zu können, ja vierſpännig, hat er geſagt, und was

weiß ich was Alles noch, es iſt ſchon gar zu lang her. Die 1

Andern trieben ihren Schabernack mit ſeinem Geſchwätz; ich

hörte aber wenig auf ſie, ſondern ſchaute ganz verwundert dem 5

blaſſen Appele zu, wie es mit ſtarren Augen drein ſah. Ich

meinte, es denke was ganz Anderes, ünd habe von all den gott⸗

loſen Reden ſchier gar nichts vernommen. Aber, o mein Herr

und mein Gott! wer hätt' ſich das eingebildet, als meine Mut⸗

ter aus dem Keller kam und nun das Mädchen mit ſeinem Wein

von dannen ging! Es iſt doch gar zu unglaublich, wenn ich

wieder an das ſtille feine Kind mit dem blaſſen Geſichtlein denke.

Aber dem Balthas iſt's auch nicht gar wohl bekommen, ja wahr⸗

haftig, es iſt doch eigentlich der Grund, warum er das Leben

laſſen mußte; denn als es herauskam, was er mit ſeinem loſen

Maul für ein Unglück angerichtet hatte, und ihn Alles in der

Stadt drum ſcheel anſah, ſo konnte er's am Ende ſelber nicht

mehr aushalten und zog nach Holland und nach Amerika, und

wenn er das nicht gethan hätte, ſo könnte er heut noch da ſein;

ſo aber hat er unterwegs Schiffbruch gelitten und iſt erſoffen,

obgleich er in meiner Stube mehr als einmal geſchworen hatte,

das Waſſer ſollt' ihm kein Leid anthun.