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Jetzt aber laßt mich ans Brett, unterbrach die Alte den Erzähler: in dem Punkt weiß Niemand ſo gut Beſcheid wie ich. Ich bin ja dabei geweſen und hab' jede Silbe mit angehört; denn der Wirth war mein Vater, und wo das blaſſe Appele jenen Wein holte, das war meiner Eltern Haus, und ich kannte ſie recht gut, obgleich wenig mit ihr zu haben war. Ich ſeh' ſie noch vor mir, wie ſie zu uns hereintrat und mit ihrer leiſen Stimme eine Flaſche Wein begehrte; nämlich ihr Herr hatte ſie aus Stolz geſchickt,, weil ſeine Gäſte behaupteten, mein Vater ſchenke einen beſſern Wein, als er einen im Keller habe, und nun wollte er einen Ver⸗ gleich anſtellen. Es iſt ihm aber übel bekommen. Wir hatten eben die Lichter angezündet, und etliche junge Geſellen ſaßen um den Tiſch. Wie nun manches unnütze Wort unter den Men⸗ ſchen geredt wird, zumal beim Wein, ſo ging's auch ſelbigsmal. Es war nämlich kurz zuvor der Fall vorgekommen, daß mit Mausgift in einem Hauſe nahezu ein großes Unglück angerichtet worden wäre, und ein wohlweiſer Rath, wie man dazumal ſagte, hatte ein Verbot an die Apotheker und eine Warnung an die Bürgerſchaft ergehen laſſen. Das Verbot aber wurde nicht groß geachtet, und ich holte meinen Mäuſen fort und fort ihr richtiges Futter, ohne daß mir Jemand was in den Weg gelegt hätte. Von dem Verbot aber war ſelbigen Abend die Rede. Die jungen Burſche ſchlugen auf den Tiſch und machten ein groß Ge⸗ ſchrei; der Eine meinte, das Ding ſehe aus, als ob man die ganze Bürgerſchaft für lauter Giftmiſcher hielte, der Andere ſchrie, das gehe einen wohlweiſen Rath einen Pfifferling an, und wieder Einer ſagte— das war der überzwerche Balthas, wißt Ihr, er hatte ſo eine große Warze auf der Naſe— das iſt Alles für nichts, ſagte er, die geſtrengen Herrn können ver⸗ bieten, Mausgift, Rattengift— und da zählte er noch eine Menge
Gifte her— aber andere Sachen können ſie nicht verbieten, Kurz, Erzählungen. I. 23
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