bequemlichkeit und Mühſal verurſachte. Ich erinnere mich„ daß ich ſie manchmal mit ihm ſah, wie ſie an ſonnigen Abenden traurig auf den Kirchenſtaffeln ſaß. Wenn ich da vorüberging, das Kind und das Mädchen anſchauend, ſo wollte mir, obgleich ich kaum die Kinderlehre hinter mir hatte, das Herz beinahe vor Mitleid brechen; ſie kamen mir vor wie zwei Blümlein, die man in einem Glaſe ohne Waſſer ſtehen läßt.
Aus dieſem kümmerlichen Leben, fuhr er fort, nachdem er ſich über die ſcharfe Luft beklagt und die Augen gewiſcht hatte, ſog ihr angebornes ſehnſüchtiges Weſen immer mehr Nahrung; ihr Heimweh, das früher gleichſam heimathlos geweſen war, nahm jetzt eine beſtimmte Richtung, alle ihre Gedanken waren nach der Heimath, nach den Ihrigen gewendet.
Wohin ſie eine Stunde und nicht einmal ſo weit zu gehen hatte, fiel die Alte ein.
Ja, Frau Nachbarin, aber allein zu gehen, dazu hatte ſie keine Muße, und mit dem Kinde durfte ſie ſich nicht ſo weit ent⸗ fernen. Die Ihrigen kamen auch nicht ein einziges Mal, um nach ihr zu ſehen.
Darum war es ja auch ſo einfältig, rief die Alte, ſolches Heimweh nach ihnen zu haben.
Das iſt ja eben das Seltſame, verſetzte der Buchdrucker etwas ungeduldig. Wenn alle Leute ſo geſcheidt wären, wie Sie, Frau Nachbarin, ſo würde gar nichts Merkwürdiges in der Welt vor⸗ fallen. Ja, ſeltſam iſt es, aber wer je auf Reiſen geweſen iſt, wie ich, der begreift auch, wie die Abweſenheit nicht bloß das Herz, ſon⸗ dern auch die Einbildungskraft des Menſchen umwandeln kann. So ging es dem armen blaſſen Mädchen, das bei ſeiner Herr⸗ ſchaft unbeachtet wie ein Schatten umherſchwebte. Das ärmliche Häuschen, das ſchlechte Eſſen, das rohe Betragen der Ihrigen hatte ſie vergeſſen; mit einem Worte, ihre Heimath war das


