Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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unterthänig da erwuchs das Mädchen, von dem die Rede iſt, als das jüngſte Kind armer Bauersleute, von den früheſten Jah⸗ ren an das blaſſe Appele genannt. In dieſen Familien pflegt man nicht viel Umſtände mit einander zu machen, und ſo wuchs auch die Apollonia unter gleichgiltig kühlen Umgebungen heran; doch hatte ſich in dem Kinde früh ein eigener Geiſt entwickelt.

Ja, ein dummes Ding war ſie, fiel die Alte ein. Ich hab's nachher oft gehört. Weil ſie das Jüngſte war und ſchwach dazu, ſo mußte ſie oft Tage lang die Schafe hüten, und ſie freute ſich auch immer darauf; wenn aber Leute durch das Eichenwäldchen kamen, wohin ſie ihre Heerde trieb, ſo ſah man ſie meiſtentheils in bittern Thränen ſitzen, und wenn dann die Leute hingingen und fragten, warum ſie weine, ſo ſagte ſie, ſie wiſſe es nicht. Kann es etwas Einfältigeres geben?

Bei einem großen Hange zur Einſamkeit, ergriff der Buch⸗ drucker wieder das Wort, empfand ſie doch beſtändig die ſchmerz⸗ lichſte Sehnſucht nach den Ihrigen. Wenn ſie Abends nach Hauſe kam, ſo war's als wenn ſie von einer weiten, vieljähri⸗ gen Reiſe heimgekommen wäre; da ſprang ſie zu ihren Eltern und Geſchwiſtern hin und wollte ſie vor Freude faſt erdrücken. Natürlich hieß es da nur: Dumme Appel, mach' dich fort, laß mich in Ruh'! und gelegentlich bekam ſie für ihre Zärtlichkeit auch noch einen Puff. Dann grämte ſie ſich wieder, bis ſie zu ihren Schafen kam, und bei ihren Schafen hatte ſie abermals keine Ruhe, bis die Abendglocke zum Einfahren läutete.

In ihrem fünfzehnten Jahre wurde ſie nach der Stadt ge⸗ ſchickt, um in einen Dienſt zu treten. Da ſie keine ſchwereren Arbeiten verrichten konnte, ſo kam ſie als Kindsmädchen in ein wohlhabendes Haus, wo man, ohne ſich ſonſt viel um ſie zu bekümmern, mit ihr zufrieden war. Sie hatte ein ſehr kränk⸗ liches Kind von etwa zwei Jahren zu hüten, das ihr viel Un⸗