Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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ſtand, wagte ich Athem zu ſchöpfen. Da oben war's auch wie⸗ der hell und freundlich, wie am Tag, der Mond ſah zum Bogen⸗ fenſter herein. Drei Viertel ſchlug's, wie ich oben angekommen war. Jetzt: kommt er oder kommt er nicht? Ich horchte hinab⸗ hörte aber nichts als den ſchweren Gang der Uhr. Halt, was war das? Zwiſchenhinein ein hölzerner Ton, etwa wie wenn ein Fenſterladen oder ſo etwas anſchlägt. Es kommt näher, wird immer deutlicher. Manchmal iſt's wieder ſtill, dann ſchwingt aber eins von den⸗ Glockenſeilen, zum Zeichen daß er ſich dran heraufzieht, bis er dem Gebälk oder ſonſt einem Hinderniß be⸗ gegnet und wieder den beſchwerlicheren Weg auf den Stiegen machen muß. So geht es abwechſelnd fort, aber unverdroſſen, und immer lauter wird das Geklapper, und jetzt iſt's kein Zwei⸗ fel mehr: er kommt, kommt richtig.

Hu! riefen die Zuhörer.

Was thun? fuhr der Erzähler fort. Mich in meinem Stüb⸗ lein verſchanzen? Was ſind Dem Riegel und Blockwerke? Der kommt hinein und erwürgt mich ſchmählich zwiſchen den niedrigen vier Wänden! Mich auf den Umlauf hinaus flüchten? Da kommt er nach und wirft mich elendiglich über die Bruſtwehr hinab. Beſſer alſo, hier, unter meinen Glocken, auf meinem Poſten bleiben und mich halten wie ein ehrlicher Soldat. Ich nahm mir nicht Zeit, meine Hellebarde aus dem Stüblein zu holen, den Stundenhammer machte ich aus Riemen und Nagel los, und ſo ſtand ich mit hochgehobenem Arm am Stiegenrand unter der großen Glocke, die halb dort über der Stiege hängt. Und jetzt kam's an dieſe oberſte Stiege. Bei jedem Tritt brachen ihm die Kniee ein, aber er krallte die weit vorauslangenden Hände in die Staffeln und zog ſich nach, wie ein langer langer Schnak', ſo daß es ſchneller ging, als ich ihm zugetraut hätte.

Und während es noch weit unten auf den Staffeln klapperte, Kurz, Erzählungen. I. 22