Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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zogen, in den Niederlanden, in Frankreich und Spanien geweſen war, um die damals neuen Verbeſſerungen in der Glocken⸗ und Spritzenmacherkunſt aus dem Grunde zu lernen, und jetzt in die Heimath zurückkam, wo er ſich niederlaſſen und ſeine Kunſt aus⸗ üben wollte. Er hielt ſein Pferd an und richtete mit auslän⸗ diſchem Accent einige Fragen an Dorothea, die ſie ſchüchtern beantwortete.

Kennſt du mich denn nicht mehr? rief er auf einmal in der heimiſchen Sprache. Sie ſah ihn genauer an und erkannte in ihm einen Vetter und Jugendgeſpielen, der ſeit vielen Jahren nichts von ſich hatte hören laſſen. Die Freude öffnete ihr das Herz, ſie erzählte ihm ihr Schickſal, wie der Vormund ſie ver⸗ kürzt habe und wie ſie jetzt in Noth und Verachtung leben müſſe.

Laß du ihm ſeinen Mammon, Dorothea, ſagte er, und gib mir den Strauß, den du da an der Bruſt haſt.

Sie verſtand ihn und gab ihm die Blumen mit Erröthen. Er ſteckte ſie an's Koller, ſpornte ſein Pferd und ritt in die Vaterſtadt ein. Damals hatte das Handwerk noch einen gol⸗ denen Boden; der junge Meiſter war der einzige weit und breit, aus allen Gegenden kamen Beſtellungen, manche Ortſchaften waren noch gar nicht mit Spritzen verſehen, auch waren die neuen erſt eigentlich brauchbar; ähnlich ſtand es mit den Glocken, die man bis dahin nicht ſo bequem zu gießen verſtanden hatte. Er mußte ein ganzes Haus voll Geſellen und Lehrlinge anneh⸗ men; der Verdienſt überſtieg alle Erwartungen. Nach einem halben Jahr führte er die demüthige Hirtin in ſein Haus. Um dieſelbe Zeit heirathete auch die hochmüthige Judith, und die ſchöne Regine war ihre Tochter.

Aus dieſem Grunde hörte die Ururgroßmutter es nicht gerne, wenn man Franzen und Reginen ein Paar nannte; ſie dachte immer wieder an dieHimmliſche Geduld, konnte aber darob ſehr

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