Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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gewährten ihr einen ſchmerzlichen Troſt, und wer in den Fel⸗

dern oder in den Weinbergen an der Arbeit war, ließ gern ſein Werkzeug auf eine Weile ſinken, um der klaren, ſanften Stimme

zu lauſchen, wie ſie hinter dem kleinen Hügel hervordrang, der den Weideplatz verdeckte. So ſang ſie einmal ihr Lieblingslied: Himmliſche Geduld mit beſonderem Ausdruck, als die Tochter ihres ehemaligen Vormunds, die es ihr immer noch nicht ver⸗ zeihen konnte, daß ſie einſt eine Stiefmutter in ihr hatte fürch⸗ ten müſſen, an ihr vorbeikam, von einer Magd und einem Hündchen begleitet, auf dem Kopfe einen ſchäferlichen Bänderhut, wie ihn damals die Vornehmen und Reichen trugen. Sie blieb ſtehen, betrachtete die Hirtin hochmüthig und, als verſtände ſie die Worte des Liedes nicht, wandte ſie ſich zu der Magd, die ihr den Korb nachtrug: Was ſingt Die da für Schelmenlieder?

Das ſchöne Lied:Himmliſche Geduld ein Schelmenlied! Das Wort gab der armen Dorothea einen Stich durch's Herz. Sie war ſehr verſöhnlichen Gemüths und hatte ſchon oft für ihren Vormund gebetet; aber das konnte ſie der tückiſchen Judith nie vergeſſen, daß ſie nicht nur im Elend ihrer geſpot⸗ tet, ſondern auch ihren Sinn und Wandel verleumdet hatte.

Ein alter Winzer, der in der Nähe zugehört, kam herbei und tröſtete die Weinende. Sei ruhig, Kind, ſagte er: der dir jetzt Trübſal widerfahren läßt, wird dich noch in Freude führen. Er wird dir einen braven Mann beſcheren, dann hat all der Jammer ein Ende..

So geſchah es auch.

Eines Tages hütete Dorothea ihre Schafe an der Straße, da kam ein ſtattlicher Reiter auf einem Friesländer dahergezo⸗ gen; er war ausländiſch gekleidet, trug einen kurzen Mantel und ein Federbarett, an ſeiner Seite hing ein zierliches Schwert. Es war mein Ururgroßvater, der weit in der Welt herumge⸗