Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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voran, daß am erſten Jahrestage des Brandes wieder der erſte Gottesdienſt, noch ohne Glocken, in der Kirche gehalten werden konnte. So baut der Menſch, was die Natur mit Einem Schlage in den Staub warf, langſam wieder auf, ihre Gewalt⸗ ſtreiche überbietend durch zähe Geduld und Ameiſenfleiß.

Indeſſen wurden viele Familien durch dieſen Brand in bittere Armuth geſtürzt. Auch mein Ururgroßvater, der vorher reich geweſen war, kam dabei um ſein ganzes Vermögen. Er hatte, als Glockengießer und Spritzenmeiſter der Stadt, ſeinen Poſten im Kampfe mit dem Feuer, und während er hier ſeiner Pflicht oblag, vertraute er ſein Silber und Gold einem vieljährigen Freunde anz; nachher, als er es wieder von ihm fordern wollte, leugnete dieſer etwas empfangen zu haben. Was konnte man ihm anhaben? Ein allgemeines Unglück iſt wie eine Kriegszeit, in welcher der Stärkere und Schlechtere oft die Oberhand behält. Mein Ururgroßvater faltete die Hände und ſprach:Was Gott thut, das iſt wohlgethan; darauf richtete er ſich mit ſeinem Handwerk wieder ein, ſo gut es ging, goß neue Glocken und Feuerſpritzen für die wiedererſtehende Stadt und nährte ſich red⸗ lich. Zwar wollte ihm nach dem Rathswechſel der neue Amts⸗ bürgermeiſter, der ihn nicht liebte, das Leben ſauer machen; aber er behauptete ſein Recht, und der geſtrenge Herr gab weis⸗ lich bei Zeiten nach; denn die kleinen Obrigkeiten im Reiche hat⸗ ten einen zwar läſſigen, jedoch immer noch durchgreifenden Rich⸗ ter über ſich, und fürchteten nichts ſo ſehr wie einen Kammer⸗ boten von Speier.

Mehr als ſeine eigenen Widerwärtigkeiten ging ihm der Kummer eines lieben Gevatters zu Herzen, der zur Zeit der Feuersbrunſt erſter Bürgermeiſter geweſen war. Herr Matthäus Baur hatte in einer jener beiden Schreckensnächte ein Kind verloren,

ein liebliches Mädchen von drei Jahren; er vermißte ſie erſt am Kurz, Erzählungen. I. 2