S 16
auch nach dem ſchwerſten Schlage wieder den Kopf empor, wie viel mehr eine thätige und entſchloſſene Gemeinde. Unter den
drei bis vier öffentlichen Gebäuden, die wie Inſeln im Feuer⸗
meere dem Verderben entgangen waren, befand ſich das alte Franciscanerkloſter, das ſeit ſeiner Aufhebung als Schwörhof bei den Rathswahlen diente. Dort richtete die Obrigkeit ſich ein und begann die unterbrochene Regierung mit der ſchwierigen Ausſcheidung des Eigenthums, das dem Schutt etwa noch abzu⸗ gewinnen war. Die ſtehengebliebene Kapelle wurde zur Kirche gemacht; ſtatt der Glocke rief die Trommel zum Gottesdienſt, der mit einem Buß⸗ und Faſttage begann; denn das Dankfeſt war mit dem Segen des Jahres dahin; man hatte die Frucht⸗ vorräthe wie Schneeflocken in den Feuerſäulen umherwirbeln ſehen. Doch ſtand die Traube noch am Stock, und ihr Ertrag gewährte diesmal ein reichliches Brod. Die Witterung blieb mild, daß man bis tief in den Winter an den Neubauten ar⸗ beiten konnte. Mangel und Theurung blieb abgewendet, und die auflebenden Bürger hatten zu rühmen, daß ihnen von allen Seiten„ritterlich“ zugeführt worden ſei. Reichsſtädte und Fürſten⸗ lande, Kreis und Reich griffen der heimgeſuchten Stadt unter die Arme. Freilich gab es bei der Vertheilung der Beiträge und der Verrechnung der Steuernachläſſe viel Beſchwerde und Murren, Streit und Mißtrauen; doch ſchritt das Werk der Her⸗ ſtellung unter allen dieſen Unruhen freudig fort. Das Erſte, was man in Angriff nahm, war die Hauptkirche; ihr Thurm war ausgeſchält, die Schwibbögen zerſprengt, ein Theil des Gewöl⸗ bes lag am Boden, die zierlich gewundenen Säulen waren zer⸗ borſten, die Kanzel mit dem großen Simſon verbrannt, die bunten Chorfenſter zerſprungen und der prächtige Altar mit⸗ Schmuck und Zier vernichtet; aber indem man ſich auf das Nothdürftigſte beſchränkte, kam man mit den Arbeiten ſo weit
8 4 1


