Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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thore, ſo daß es oft eine Stunde dauerte, bis der Eine zum Thor hinaus, der Andere wieder hereingelangte. Kranke und Alte wurden in Betten, oder was der Zufall an die Hand gab, erſt nach den noch unverſehrten Stadttheilen und dann, wenn hier das Feuer nachſtürmte, vor die Thore geſchleppt. Da draußen war es wie eine weite Wahlſtatt anzuſehen, wo Tauſende unter freiem Himmel lagen, wund an Leib und Seele. Viele erkrank⸗ ten tödtlich in der naſſen Kälte, die außerhalb des Feuerbezirks herrſchte. Kreiſende Frauen wurden aus den Flammen heraus⸗ getragen, andere wurden im Freien unzeitig von der Geburt übereilt. Eltern und Kinder ſuchten einander, kläglich rufend, und ſtürzten in die brennende Stadt zurück oder zerſtreuten ſich Stunden weit in die Nachbarſchaft. Thiere irrten zwiſchen den obdachloſen Menſchen umher; die einen rannten im blinden Schrecken Alles nieder, die anderen winſelten nach ihren Herren. Zahlloſe Habe ging nicht bloß im blinden Drang des Flüchtens, ſondern auch durch untreue Hände zu Grunde, indem ſchlechte Menſchen ſich die Verwirrung zu Nutzen machten.

Der anbrechende Morgen ſah den dritten Theil der Stadt in Aſche und Flammen, und noch immer ſpottete das Feuer aller menſchlichen Gegenwehr. Es hatte inzwiſchen nach dem Markt⸗ platze herauf gebrannt, und eben jetzt mit Tagesanbruch loderte das ſchöne Rathhaus auf ſeinen ſteinernen Säulen mit ſeinen gemalten Fenſtern, welche die Wappen beſiegter Ritter tru⸗ gen, und ſeinem Sturmbock, dem Siegesdenkmal aus noch älte⸗ rer Zeit. Dieſer Mauerbrecher war von dem Heere des Hohen⸗ ſtaufengegners, als es die Belagerung der Stadt aufheben mußte, zurückgelaſſen und von den Bürgern Jahrhunderte lang in der über ihm erbauten Kirche aufbewahrt worden, bis Kaiſer Mar bei einem Beſuch der Stadt das Kriegswerkzeug aus dem Got⸗ teshauſe entfernen hieß; da die Kirche faſt rings von Häuſern