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erſtenmal in zwölf Friedensjahren hatte man Hoffnung, die langen Nachwehen der Kriege vollends zu überwinden. Die Glocken hatten geſtern ſo fleißig wie immer zu der ſtrengen Sonntagsfeier geläutet. Heute ſchlugen ſie zu ungewohnter Stunde, doch nicht zu unbekanntem Zwecke wieder an, indem ſie dem alten Thürmer, der zu Grab getragen wurde, den letzten Gruß nachriefen. Wer hätte gedacht, daß ſeine Glocken noch einmal dieſen Abend zuſammen laut werden würden, daß ſein Thurm ſo bald nach ſeinem Scheiden unwohnlich werden ſollte? Noch vor Kurzem hatte man durch einen„fremden“ Schieferdecker aus Heidelberg den Engel von der Thurmſpitze abnehmen und neu vergoldet unter großen Feierlichkeiten wieder aufſetzen laſſen. Wie ſollte nicht Alles im beſten Stande ſein?
Die Abendglocke hatte längſt geläutet, das Nachteſſen war vorüber, doch wachte noch die ganze Stadt, und die früheſten Schläfer hatten den Abendſegen noch nicht ausgeleſen, als vom Thurm und in den Gaſſen Feuerlärm ertönte. Der Mann, in deſſen Hauſe das Feuer ausbrach, war ſchon in früheſter Kind⸗ heit gleichſam vom Schickſal gezeichnet worden. Sein Vater ſtand mit dem Kind auf dem Arm am Laden, der ſtatt des Fenſters diente, ſcherzte mit ihm und that als ob er es hinaus⸗ werfen wollte, da verlor er das Gleichgewicht und ſtürzte mit ihm auf die Gaſſe hinab, ſo daß das Kind ein Aermlein brach. Jetzt nach vierundſechzig Jahren war es dieſem beſtimmt, daß ſein Haus ein Herd der Zerſtörung für ſeine geſammte Mitbürger⸗ ſchaft werden und ſein oder der Seinigen ſchuldhafter Leichtſinn ihn mit ſeiner ganzen Familie in die Verbannung führen ſollte.
Noch ehe die Lohe ausſchlug, war die Hilfe zur Hand, aber es war ein Feuer, das Niemand löſchen konnte. Die Bewohner hatten es zu lang verheimlicht, nun befreite es ſich mit doppelter Gewalt, und im Angeſichte der Löſchanſtalten ſtand


