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Reichsbürgermeiſter, in der Stille emporzuſchauen hatten. Derlei kleinere oder größere ariſtokratiſche Paſſionen erwachſen auch in der reinſten Demokratie, und eine reinere hatte es wohl im gan⸗ zen Reiche nicht gegeben als die unſerer Stadt, in welcher jedes Jahr auf einen beſtimmten Tag alles Stadt⸗ und Zunftregiment erloſch und durch eine— wenigſtens nach den Verfaſſungs⸗ ſtatuten— völlig freie Wahl von Neuem zu beſetzen war. Adelige Geſchlechter zumal hatte es ſeit dem Mitt der Stadt gegeben; das Bürgerrecht war geknüpft und der höchſte Würdenträger ſo guͤk wi itbür⸗ ger ein Handwerker oder mindeſtens Angehöriger r Hand⸗ werkerfamilie geweſen; aber wenn ich den Namen des Groß⸗ vaters an einer der älteren ſtädtiſchen Feuerſpritzen las, die er in ſeinen thätigen Jahren verfertigt hatte, ſo bildete ich mir dar⸗ auf nicht weniger ein, als wenn ich mit ihm über die Straße gehend Zeuge war, wie er als„Herr Senator“ begrüßt wurde und beſcheiden dankend ſein dreieckiges Hütlein zog. An den Glocken konnte ich ſeinen Namen nicht leſen, denn dazu hingen ſie zu hoch, wie⸗ wohl ich oft in ihre Nähe kam, da es eine unſerer gewöhnlichen Beluſtigungen war, am Sonntag vom Knabenſtande bei der Orgel in den Thurm hinauf zu ſchleichen und dem betäubenden Geläute das Gehör preiszugeben.
Was aber vollends in uns ein Gefühl erweckte, das einem 4 hochwohlgebornen Ahnenſtolze nicht ganz unähnlich ſah, das war die Geſchichte der alten Reichsſtadt ſelbſt. Und dieſe Ge⸗ ſchichte lernten wir nicht auf dem Papiere kennen, ſondern ſie hatte ſich von Mund zu Munde fortgepflanzt. Durch die natür⸗ lichſten Beziehungen wurde ſie ſo für uns, neben den groß⸗ artigen aber todten Bildern aus der griechiſchen und römiſchen Geſchichte, die wir in der Schule laſen, zu einer lebenden Her⸗ zensgeſchichte, deren kleiner Umfang ſich gewaltig erweiterte,


