Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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bung blicken ließ, ſpottweiſe etwas nannte, was man doch ſelbſt war, nämlichwirtenbergiſch.

Wie die Alten ſungen, ſo zwitſcherten die Jungen. Für uns Knaben konnte es kein größeres Feſt geben, als wenn wir in irgend einem vergeſſenen Winkel eines der alten Wap⸗ penzeichen entdeckten, die man der Stadt gleich im erſten Feuer derproviſoriſchen Beſitzergreifung, noch»dem Reichsdeputa⸗ tionsſchluſſe, weggenommen hatte, und de aalter nicht mehr in herzoglichen Bea bei der Zer n die Zunftnflichtinen. gegangen Maeeihi der Eifer 84☛10 1+Q00 welchem eine im Schoße des mediatiſirten Reichsbürgerthums nachwachſende Jugend die Reliquien alter Herrlichkeit wieder aufzuſpüren wußte. Als beſonders glücklichen Entdecker beneideten wir den Dicken, wie wir ihn zu nennen pflegten, einen ſehr phlegmatiſchen Mitſchüler, der aber eine zähe Beharrlichkeit hatte und mit der ſichern Schärfe ſeiner langſam bohrenden Augen Dinge ausfindig machte, die von jedem Andern überſehen worden wären. Er hatte an Einem Tage nicht weniger als zwei Reichsadler entdeckt, die den Hän⸗ den der Verfolger entgangen waren, beide inrder Kirche; der eine, ein Doppeladler, horſtete hoch am Gemölbe des Schiffs, der andere, in älterer einfacher Form, ſaß am Gewölbeſchluß der Taufkapelle. Wir hüteten ſie wie heilige Schätze, zeigten ſie einander nur mit den Augen und verriethen ihr Daſein mit keinem Athemzuge, wiewohl die Vorſicht überflüſſig ſein mochte, denn die ſchreckliche Ausrottungsjagd nach den harmloſen Wahr⸗ zeichen hatte aufgehört.

Die Kluft zwiſchen Vergangenheit und Gegenwart begann zu ſchwinden, einzelne Beamtenfamilien befreundeten ſich mit einzelnen Bürgershäuſern, vornehmlich mit ſolchen, die auswär⸗ tige Frauen heimgeführt hatten, und, was mehr iſt, auch die widerſtrebenden Theile gewöhnten ſich an die Verſchmelzung des