Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
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Der Erzähler der nachfolgenden Geſchichten lebt mit ſeinen früheſten Erinnerungen noch im alten Reiche, obſchon die Stadt ſeiner Väter zu der Zeit, als er in ihr das Licht erblickte, lang den Fall der Kaiſerkrone geſehen und noch länger eine der freien Städte des heiligen römiſchen Reiches zu heißen aufgehört hatte. Sie, die einſt auf ihr Siegel ein ſtolzes S. P. O. R. geſchrieben berechtigt durch die Gleichheit des Anfangsbuchſtabens, aber etwas zu ſtolz für ein kleines Gemeinweſen, das dem mäch⸗ tigeren Nachbarfürſten ſeit. Jahrhunderten ein Schirmgeld zahlte hatte nun ſchon über ein Jahrzehend die Farben dieſes Nach⸗ bars, herzogliche, kurfürſtliche, königliche, getragen. Aber die Gemüther hatten dieſe Farben noch wenig angenommen und wenn auch nicht, wie in einer andern der ſchwäbiſchen Reichs⸗ ſtädte, der Bürgermeiſter bei Uebergabe der Gewalt an den fürſtlichen Oberamtmann mit gebrochenem Herzen todt zu Boden geſtürzt war, ſo lebte doch bei uns der reichsſtädtiſche Geiſt in ſeiner Stärke und Schwäche unvertilgbar fort; diefremden Beamten hatten oft Mühe, Wohnungen zu finden, und mußten unter einander ſelbſt zuſammenhalten lernen, wie die Bürger⸗ ſchaft ſpröd und abgeſchloſſen unter ſich zuſammenhielt; ja der Zwieſpalt zwiſchen Gegenwart und Vergangenheit äußerte ſich ſo wunderlich, daß man zum Beiſpiel einen Weinberg, der vom Hagel oder Froſt beſchädigt jene halb ſchwarze halb rothe Fär⸗

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