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durchaus auf keine Unterhandlungen einlaſſen, weil das Schickſal des Gefangenen nicht von ihm, ſondern von der Republik abhing. Roſalie wuͤnſchte Heinrich wenigſtens zu ſehen, zu ſprechen. Der Kommandant bedauerte, ihren Wuͤnſchen nicht genuͤgen zu koͤnnen; in⸗ deſſen geſtattete er, auf Roſaliens flehentliche Ditten, und durch ein bedeutendes Geſchenk be⸗ wogen, daß der kleine freundliche Theodor ſei⸗ nen Vater beſuchen, und ihm beſſere Koſt brin⸗ gen durfte, als ihm bisher gereicht worden war. An einem Feſttage oͤffnete ſich die Thuͤr des Gefaͤngniſſes, und ſtatt des ſinſtern Kerker⸗ meiſters, deſſen Anblick Heinrich immer ſo ſchmerz⸗ lich beruͤhrt hatte, trat der heitere, freundliche Knabe, in einem Gewande von himmelblauer Seide, eine weiße Schaͤrpe um den Leib, in das kleine Gemach, und uͤberreichte dem Gra⸗ fen auf einer ſilbernen Schuͤſſel die Speiſen, die Roſalie dem noch immer geliebten Gatten ſelbſt bereitet hatte.
Heinrich erſtaunte.„Wer biſt du, liebes


