Teil eines Werkes 
[1] (1822)
Entstehung
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geſehen hatte, ihr den eben mitgetheilten Brief uͤberbrachte, iſt nicht zu beſchreiben. Ihr Herz war zerriſſen; ſie wuͤrde vielleicht ihrem Schmerze erlegen ſeyn, wenn nicht Heinrich dadurch, daß er zugleich ihren Stolz beleidigte, ſich in ihren Augen veraͤchtlich gemacht, und wenn der lieb⸗ lich laͤchelnde Knabe, der ihr uͤberlaſſen werden ſollte, ſie nicht einigermaßen getroͤſtet haͤtte. Das wunderſchoͤne Kind auf dem Arme, trat ſie vor Heinrichs Bild, das er ihr an ihrem erſten Geburtstage zum Geſchenk gemacht hatte, und fluͤſterte unter heißen Thraͤnen die Worte: Heinrich! iſt es nur moͤglich! Mehr ſpre⸗ chen konnte ſie nicht. Sie hatte nur Thraͤnen.

Am andern Morgen ließ ſie den beruͤhm⸗

teſten Rechtsgelehrten We... s zu ſich einladen,

trug ihm den ganzen Fall vor, und erklaͤrte ihm ihren Entſchluß, in die von ihrem Gemahl be⸗ gehrte Trennung zu willigen, ſo ungegruͤndet auch die Beſchuldigungen waͤren, die Heinrich ihr in ſeinem letzten Briefe gemacht habe. Ihre Ehre und ihr Gefuͤhl forderten dies. Nachdem