— 314— In geringer Entfernung von Roſaliens Bette ſchlief die Amme. Sie hatte nicht geſtatten
wollen, daß das Kind von ihr getrennt wuͤrde.
Welche gute, ſorgſame Mutter war Roſalie!
Der Graf ſchlich leiſe uͤber die bunten Tep⸗ diche zuruͤck nach ſeinem Zimmer; der Anblick der holden Schlaͤferinn, und des lieblichen Kna⸗ ben hatten ihn ruhiger gemacht. Er konnte ſich in Kraſinskys Verhaͤltniß zu Roſalien ja leicht geirrt haben!
Das fruͤhere innige Verhaͤltniß zwiſchen Heinrich und Roſalie war wieder hergeſtellt. Aber der heilloſe Polniſche Graf! Stets ver⸗ folgte er das liebenswuͤrdige Weib mit ſeinen Schmeicheleien und Artigkeiten, welche ſie nur zu gern hoͤrte, und zeichnete ſie zu ſichtbar aus, als daß es dem Grafen haͤtte unbemerkt blei⸗ ben ſollen. Der fruͤhere Argwohn ward in ihm wieder rege, er bewachte Roſalien mit aͤngſtli⸗ her Sorgfalt, und benahm ſich von neuem kalt, und ſelbſt muͤrriſch gegen ſie.


