getaͤuſcht das Auge voll Thraͤnen abwendet, und doch immer wieder nach dem raͤthſelhaften Buche greift, worin ſein Wohl und Weh ver⸗ zeichnet ſteht.
Es ſchien Thorheit, als meine edeln treff⸗ lichs Aeltern mich vom zwoͤlften Jahre an zwangen, ein Tagebuch zu fuͤhren. Es war aber Thorheit, daß ſie dieſes Tagebuch, worin ich von mir und eigentlich wohl auch allein zu mir ſprechen ſollte, jeden Sonnabend zu leſen ver⸗ langten. Die freie Mittheilung meiner Ge⸗ fuͤhle und Erfahrungen ging durch dieſe despo⸗ tiſche Maaßregel verloren. Ich ward ein Heuch⸗ ler, und verſchwieg das, woruͤber ich mir mit Recht Vorwuͤrfe zu machen hatte. In mein Tagebuch ſchrieb ich Notizen, die groͤßtentheils werthlos waren, und offenbarte Gefuͤhle, die ich zum Theil gar nicht oder nur halb empfun⸗ den hatte, die aber immer ſo beſchaffen waren, daß ſie mir keine Vorwuͤrfe zuziehen konnten.
Jetzt ſtehe ich allein in der Welt; um ſo unbefangener kann ich in dem Tagebuche, das
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