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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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231 des Schmerzes in all ſeiner Kraft in mir. Gott wollte

nicht, daß ich meinen Schmerz in einem einzigen Zuge

trinke, um meine Seele nicht darin zu ertränken.( ſchenkte und ließ mir lange die Ueberzeugung der Gegen⸗ wart dieſes himmliſchen Weſens in mir, um mich herum und vor mir, des Weſens, das er mir bloß ein Jahr lang gezeigt hatte, um ohne Zweifel mein ganzes Leben hin⸗ durch meine Augen und meinen Sinn dem Himmel zu⸗ zuwenden, wohin er ſie in ihrem Frühling und in ihrer Liebe zurückgerufen hatte.

Als die von dem armen Schiffer erhaltene Kerze erloſchen war, verwahrte ich die Briefe auf meiner Bruſt, küßte tauſendmal den Boden dieſer Kammer, welcher die Wiege unſerer Liebe geweſen und nun ihre Grabſtätte geworden war, hing meine Flinte um und ſtürzte auf's Gerathewohl wie ein Wahnſinniger in die Schluchten des Gebirges.

Die Nacht war dunkel; es hatte ſich Wind erhoben. Die Wellen des See's ſchlugen mit ſo dumpfem Pral⸗ len an die Felſen und ſtöhnten ſo ganz wie menſchliche Stimmen, daß ich mehrmals keuchend ſtillſtand und mich umwandte, als hätte Jemand hinter mir meinen Namen gerufen...

O gewiß, man rief mir, ich täuſchte mich nicht, aber der Ruf kam vom Himmel!

106.

Du weißt, mein Freund, wer mich am Morgen des andern Tages, in einer in Nebel gehüllten Schlucht

der Rhone umherirrend fand. Du weißt, wer mich

mit ſich nahm, mich pflegte und in die Arme meiner armen Mutter zurückbrachte..... Und jetzt find zehn Jahre verfloſſen, ohne daß ſie eine einzige der Erinnerungen dieſes großen Jahres