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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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meiner Jugend dahin nehmen konnten. Nach Julie's Verheißung, mir eine Tröſterin zu ſenden, hat Gott mir ſtatt ihrer ein anderes Weſen zur Gattin geſchenkt. Mit dieſer, die meine Hoffnung geduldig und füß wie die Seligkeit macht, beſuche ich oft das Thal von Chambery und den See von Aixr.

Wenn ich mich auf den Höhen des Hügels von Treſſerves an den Fuß jener Kaſtanienbäume ſetze, deren Rinde ihr Herz pochen fühlte; wenn ich dieſen See, dieſe Berge, dieſen Schnee, dieſe Wieſen, dieſe Bäume, dieſe Felszacken in der warmen Atmoſphäre ſchwimmen ſehe, welche die ganze Erde in einem flüſſigen Ambra⸗ duft zu baden ſcheint; wenn ich die Blätter wiſpern, die Inſekten ſummen, den Wind flüſtern, die Wellen des Sees wie einen ſeidenen Stoff, der ſich Falte für Falte entrollt, ſachte an's Ufer rauſchen höre; wenn ich den Schatten Derer, welche Gott mir bis zu mei⸗ nem Lebensende zur Gefährtin gegeben hat, neben mir auf dem Sande oder im Graſe ſich abzeichnen ſehe; wenn ich die Ueberfülle meines Innern empfinde, das vor dem Tode Nichts mehr bedarf, und einen Frieden fühle, der durch keinen Seufzer mehr getrübt wird: dann glaube ich den ſeligen Geiſt Derjenigen, welche mir einſt an pieſen Orten erſchien, ſtralend und unſterblich an allen Punkten dieſes Horizontes heraufſteigen, allein dieſen Himmel und dieſe Gewäſſer erfüllen, in dieſem Glanze leuchten, dieſen Aether einſchlürfen, in dieſen Gluten brennen, dieſe Wogen durchdringen, in dieſem Geflüſter athmen, in dieſer Lebenshymne, welche mit den Waſſerfällen dieſer Gletſcher in dieſe Seen rieſelt,

beten, preiſen, ſingen und auf dieſes Thal und Die,

welche ſich ihrer hier erinnern, gleichſam einen Segen

ausgießen zu ſehen, den das Auge wahrnimmt, das

Ohr hört und das Herz fühlt! (Hier brach Raphaels Manuſcript ab.)

Ende.