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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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Ich ſtieg die mittelſt einer eiſernen Ringſchraube an der Mauer befeſtigte, hölzerne Leiter hinan, welche die Treppe zu der obern Kammer bildete, in der Julie mit der Hand auf meiner Stirn aus ihrer Ohnmacht erwacht war; ich betrat ſte, wie man ein Heiligthum oder eine Gruft betritt, und ließ meine Blicke umher ſchweifen. Die hölzernen Bettſtellen, die Käſten, die Schemel waren verſchwunden. Beim Geräuſch meiner Schritte entfaltete ein Nachtvogel ſchwerfällig ſeine Schwingen, flatterte an den Mauern herum und ent⸗ wiſchte mit einem Schrei durch die offene Fenſterlucke nach dem Baumgarten.

Nur mit Mühe konnte ich die Stelle wieder er⸗ kennen, auf der ich während dieſer ſchrecklichen und wonnevollen Nacht am Fuße des Bettes oder des Sar⸗ ges der jungen Todten gekniet war. Ich küßte den Fußboden an derſelben und ſetzte mich auf den Rand des Fenſters, wo ich lange blieb, indem ich in meinem Gedächtniß den Ort, das Geräthe, das Bett, die Lampe, die Stunden wiederherzuſtellen verſuchte, die in meinem Innern an ihrem Platz geblieben waren, während in einer einjährigen Abweſenheit Alles von der Stelle gerückt worden war.

Es befand ſich Niemand in der öden Umgegend der Hütte, der mir über die Urſache der Räumung

dieſes Hauſes hätte Auskunft geben können. Aus den

Reiſtgbündeln, die im Hofe zuruͤckgeblieben waren, und den Hennen und Tauben, welche von ſelbſt ihr Nacht⸗ quartier in der Kammer oder auf dem Dache aufſuchten, und den noch unberührten Heu⸗ und Strohſchobern im Baumgarten glaubte ich zu entnehmen, die Familie ſei zur Späternte in die höher gelegenen Theile des Berges gegangen und noch nicht zurückgekehrt.

Dieſe Einſamkeit, der ich mich bemächtigt hatte, kam mir traurig vor und doch ſtimmte ſie mich weniger traurig, als die Anweſenheit und die Schritte Gleich⸗ gültiger an dieſem für mich heiligen Orte es gethan hätten. Ich hätte vor Solchen meinen Augen, meiner