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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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mich, die Tage hätten ihre Beſtimmungen wie die an⸗ dern menſchlichen Dinge, und indem ich die nämliche Sonne, den nämlichen Monat, das nämliche Datum an dem nämlichen Orte wieder fand, fände ich einen Theil Derjenigen wieder, die ich mißte. Es ſollte wenigſtens eine Vorbedeutung für unſere bevorſtehende und lange Vereinigung ſein!

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Von dem ſteil abſchüſſigen Pfade aus, welcher von dem Gipfel des Mont du Chat zu dem See hinabführt, erblickte ich ſchon zu meiner Linken die alten Ruinen und die langen Schatten der Abtei, welche einen wei⸗ ten Strich des Waſſers verdunkeln. Die Sonne tauchte ſich hinter die Alpen hinab. Die Berge, das Ufer und die Wellen waren in die herbſtliche, langdauernde Däm⸗ merung gehüllt.

Ich hielt mich bei den Ruinen nicht auf und ſchritt raſch durch den Baumgarten, in welchem wir uns neben den Bienenſtöcken am Fuße des Heuſchobers niedergeſetzt hatten. Die Bienenſtöcke und der Heuſchober waren noch da, aber durch die Fenſter der kleinen Schenke erblickte man weder Licht noch Feuer, noch ſah man einen Rauch aus dem Kamine ſteigen oder an dem Gartenzaun Netze zum Trocknen aufgehängt.

Ich klopfte; Niemand gab Antwort. Ich rüttelte an dem hölzernen Drücker, die Thüre ging von ſelbſt auf. Ich trat in die kleine, von Rauch geſchwärzte Stube. Der Heerd ſtand verödet und ſogar die Aſche war weggefegt. Der Tiſch und das übrige Hausgeräthe war fort. Die Steinplatten des Bodens waren mit Strohhalmen und Federchen bedeckt, welche aus fünf bis ſechs leeren Schwalbenneſtern herabgefallen waren, die wie ein Karnieß an dem ſchwarzen Gebälke der Diele hingen.