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3. Das Städtchen Air in Savoyen, äußerſt geräuſch⸗
voll, ganz dampfend und riechend von den Bächen ſeiner
warmen, ſchwefelhaltigen Quellen, ſitzt unweit von da ſtockwerkweiſe auf einem breiten, abſchüſſigen, mit Re⸗ ben, Wieſen und Baumgärten bekleideten Abhange. Eine lange Allee hundertjähriger Pappeln, ahnlich jenen unfehlbaren Taxusalleen, welche in der Türkei zu den Begräbnißplätzen führen, verbindet das Städtchen mit dem See. Rechts und links von dieſer Straße liegen Wieſen und Felder, welche durch die felſigen und oft ausgetrockneten Bette der Gebirgsſtröme durchſchnitten und von rieſigen Nußbäumen beſchattet ſind, an deren Aeſte kräftige Reben gleich den Lianen Amerika's ihre Ranken und Trauben aufhängen. Zwiſchen den Lich⸗ tungen dieſer Nußbäume und Reben hindurch erblickt man in der Ferne den blauen See, der je nach dem Gewölke und der Tageszeit ſchimmert oder blaß wird. Als ich nach Air kam, waren die Badegäſte ſchon abgereist. Die Gaſthöfe und die Salons, dieſe Sam⸗ melplätze, auf welchen ſich den Sommer über die Frem⸗ den und die Müßiggänger drängen, waren allen ge⸗ ſchloſſen. Nur noch einige gebrechliche Arme ſaßen an den Thürſchwellen der ärmlichſten Wirthshäuſer und einige hoffnungsloſe Kranke ſchleppten ſich in den war⸗ men Mittagsſtunden müden Schrittes über das dürre, nächtlicherweile von den Pappeln abgefallene Laub.
4.
Der Herbſt war früh eingetreten, aber mild. Es war um die Zeit, wo die am Morgen vom Reif ge⸗ troffenen und einen Augenblick rothgefärbten Blätter von den Reben, den Kirſch⸗ und Kaſtanienbäumen


