19
ſein Haupt emporſtarrt. Dieſer etwa ſechs Stunden lange See, der wechſelweiſe eine bis drei Stunden breit iſt, wird auf der Seite gegen Frankreich hin von ſenkrecht niederſteigenden Felsmaſſen zu einer bedeuten⸗ den Tiefe eingezwängt. Auf der ſavoyiſchen Seite bildet er ohne Hinderniſſe hübſche Buchten und Landzungen zwiſchen Hügeln, bedeckt mit Gehölz, Weinlauben, hohen Reben, Feigenbäumen, die ihre Blätter in ſein Waſſer tauchen. Er verliert ſich unbemerkt am Fuße der Felſen von Chätillon; dieſe Felſen öffnen ſich, um den Abfluß des See's der Rhone zueilen zu laſſen. Nördlich erhebt ſich auf einer granitenen Strebemauer die Abtei von Haute⸗Combe, in welcher ſich die Gruft der Prinzen des Hauſes Savoyen befindet, und wirft den Schatten ihrer weitläufigen Kloſtergebäude über das Waſſer des See's hin. Von der Wand des Mont du Chat den ganzen Tag vor der Sonne geſchützt, erin⸗ nert dieſes Gebäude durch die es umgebende Dunkelheit an die ewige Nacht, deren Schwelle es für dieſe vom Throne in ſeine Gruͤfte herabgeſtiegenen Prinzen iſt. Nur Abends wirft die untergehende Sonne einen Stral auf daſſelbe, der einen Augenblick auf ſeinen Mauern ruht, als wolle er gleichſam am Ende des Tages den Menſchen den Lebenshafen zeigen. Einige Fiſcherbarken ohne Segel gleiten ſchweigſam über das ſtille Waſſer an den jähen, ſteilen Seiten des Gebirges. Das Al⸗ ter ihrer Planken macht, daß man ſie ihrer Farbe wegen von dem dunkeln Felſen kaum unterſcheiden kann. Adler mit grauem Gefieder kreiſen unabläſſtg über den Felſen und Barken, als wollten ſie den Netzen ihre Beute ſtreitig machen oder ſich auf die fiſchenden Vögel ſtürzen, welche den Furchen dieſer längs dem Ufer hin⸗ fahrenden Barken folgen.
—.


