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eben ſo viele Strombette vom Simplon, vom St. Bern⸗ hard und dem Mont Cenis gegen die Schweiz und Frankreich herniederſteigen, löst ſich bei Chambery ein roßes, breiteres und weniger eingezwängtes Thal vom Knoten der Alpen ab und gräbt ſich ſein von Flüſſen und Seen durchſchnittenes grünes Bett zwiſchen dem Mont du Chat und den ſtarren Wänden des Beauges⸗ gebirges gegen Genf und Annecy zu.
Links zieht ſich in einer Linie zwei Stunden lang der himmelhohe Mont du Chat mit ſeiner düſteren, einförmigen, durch keine Abſtufungen zerriſſenen Kante hin, wie ein ungeheurer, ſchnurgerader Wall. Kaum unterbrechen an ſeinem öſtlichen Ende zwei oder drei graue, ſpitze Felszacken die geometriſche Einförmigkeit ſeiner Geſtalt und erinnern den Blick, daß nicht eine Menſchenhand, ſondern nur die Hand Gottes mit dieſen Maſſen ſpielen konnte. Gegen Chambery zu breitet, ſich der Fuß des Mont du Chat mit einer gewiſſen Weichheit in die Ebene aus und bildet im Hernieder⸗ ſteigen einige Stufen und einige mit Tannen, Nuß⸗ bäumen und rebenumrankten Kaſtanienbäumen bekleidete Hügel. Zwiſchen dieſer dichten und beinahe wilden Begetation hindurch ſieht man hie und da weiße Land⸗ häuſer ſchimmern und die hohen Kirchthürme ärmlicher Dörfer oder die alten ausgezackten Thürme von Schlöſ⸗ ſern der Vorzeit hervorragen. Weiter unten hat die Ebene, die früher ein großer See war, die Höhlung, die zackigen Ufer, die vorſpringenden Landſpitzen ſeiner ehe⸗ maligen Form beibehalten. Nur ſieht man jetzt ſtatt dem Waſſer die grünen oder gelben Wogen der Pappeln, der Wieſen, der Ernten ſich wellenförmig bewegen. Einige Erhöhungen, die vormals Inſeln waren, quel⸗ len in Mitte dieſes ſumpfigen Thales auf und tragen auf ihrer Oberfläche ſtrohbedeckte, unter Laubwerk ver⸗ borgene Häuſer. Jenſeits dieſes ausgetrockneten Beckens taucht der nackter, rauher und abſchüſſiger gewordene Mont du Chat ſeinen felſigen Fuß in das Waſſer eines See's, das blauer iſt, als das Firmament, in welches


