Druckschrift 
Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

ging. Die Salons beſuchte er nie und liebte außer ſeiner Mutter kein weibliches Weſen..

Plötzlich verloren wir ihn drei Jahre lang aus dem Geſichte und erfuhren nachher, daß man ihn in der Schweiz, in Deutſchland und in Sa⸗ voyen, dann auch einen Winter durch in Paris geſehen habe, indem er immer einen Theil der Nacht auf einer Brücke oder einem Kai zugebracht habe. Sein Aeußeres habe die größte Entblö⸗ ßung verrathen. Erſt nach manchen Jahren er⸗ fuhren wie dann mehr von ihm. Obwohl er ab⸗ weſend, dachten wir immer an ihn. Er gehörte zu jenen Naturen, die man unmöglich vergeſſen kann.

Endlich brachte uns der Zufall zwölf Jahre ſpäter wieder zuſammen. In ſeiner Provinz war mir ein Erbe zugefallen und ich reiste hin, um ein Landgut zu verkauſen. Ich erkundigte mich nach Raphael. Man ſagte mir, er habe in dem Zwiſchenraum einiger Jahre ſeinen Vater, ſeine Mutter und ſeine Frau verloren; nach dieſen Un⸗ fällen hätten ihn auch ökonomiſche Schläge ge⸗ troffen und von dem kleinen Stammgute ſeiner Ahnen ſei ihm nur das aus einem alten vier⸗ eckigen, zur Hälfte niedergeriſſenen Thurme be⸗ ſtehende und am Abhange einer Schlucht liegende Wohngebäude nebſt dem Gemüſe⸗ und Baumgar⸗ ten, der Wieſe in der Schlucht und fünf bis ſechs Morgen ſchlechten Landes geblieben. Er bearbeite das ſelbſt mit zwei mageren Kühen und unter⸗