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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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der Schreckensregierung um ich weiß nicht was für religiöſer Meinung willen, die Etwas mit dem Myſticismus gemein hatten und eine Er⸗ neuerung des Jahrhunderts verkündeten, verfolgt

3 wurden, hatten ſich in dieſe Berge geflüchtet. Ihr 4 Haus bot ihnen eine Zufluchtsſtätte. Sie liebten Raphael, der damals noch auf ſeiner Mutter Schooß ſaß. Sie verkündeten ihm Gott weiß was, be⸗ zeichneten einen Stern als den ſeinen und ſagten

zu ſeiner Mutter:

Leitet dieſen Knaben mit aller Kraft Eurer Seele!

Eine Mutter glaubt ſo gerne! Sie machte ſich's zwar zum Vorwurf, weil ſie ſehr fromm war, allein ſie glaubte ihnen. Dieſe Leichtgläu⸗ bigkeit ſtärkte ſie in vielen Prüfungen, veranlaßte ſte aber bei Raphaels Erziehung zu Anſtrengungen, die ihre Kräfte überſtiegen, und täuſchte ſie am Ende.

Ich kannte Raphael von ſeinem zwölften Jahre an. Nach ſeiner Mutter liebte er mich am meiſten. Als unſere Studien beendiget waren, fanden wir uns in Paris, dann in Rom wieder. In dieſe Stadt war er von einem Verwandten ſeines Vaters mitgenommen worden, um in der Bibliothek des Vaticans Manuſeripte mit ihm abzuſchreiben. Hier hatte er eine Leidenſchaft fur die italieniſche Sprache und den italieniſchen Geiſt gefaßt. Er ſprach das Italieniſche beſſer als ſeine Mutterſprache. Zuweilen dichtete er Abends unter