5
beibehalten und ihr habt das vollkommen getreue Bild des zwanzigjährigen Raphael.
Seine Familie war arm, obwohl alt, und wohnte im Forezgebirge, woher ſie ſtammte. Gleich den ſpaniſchen Edelleuten hatte ſein Vater den Degen gegen den Pflug vertauſcht. Seine Würden beſtanden in ſeiner Ehre, die ſo viel werth iſt, als alle jene. Seine Mutter war eine noch junge und ſchöne Frau, welche für ſeine Schweſter hätte gelten können, ſo groß war ihre Aehnlichkeit mit ihm. Sie war im Luxus und den feinen Sitten einer Hauptſtadt erzogen wor⸗ den, hatte aber nur jenen Duft der Sprache und des Benehmens davon beibehalten, welcher gleich dem Dufte der im Serail einheimiſchen Roſen⸗ kügelchen in dem Kryſtallgefäße, worin ſie auf⸗ bewahrt wurden, nie verdunſtet.
Einmal verbannt in dieſe Berge mit einem Manne, den ſte aus Liebe genommen, und Kin⸗ dern, auf welche ſte all ihr Wohlgefallen und all ihren Mutterſtolz übertrug, hatte ſie Nichts mehr vermißt. Sie hatte das ſchöne Buch ihrer Jugend mit den drei Worten geſchloſſen: Gott, ihr Mann, ihre Kinder. Für Raphael hegte ſie eine beſon⸗ dere Vorliebe. Sie hätte ihm ein königliches Leben verſchaffen mögen; aber ach, ſie beſaß Nichts als ihr Herz, um ihn zu erheben. Das Schick⸗ ſal zertrümmerte ſtets ihre Träume und erſchüt⸗ terte oft die Grundlage ihres kleinen Vermögens. Zwei heilige Greiſe, welche einige Zeit nach


