175 Schuldloſen durchbohrt hatte. Durfte Roderik auf ewige Verſchwiegenheit rechnen?
Am Tage nach dem Begräbniſſe ließ er den alten Caſtellan zu ſich rufen, und händigte ihm eine Schrift ein, durch welche ihm aufgetragen ward, den ſchuld⸗ loſen Urisk(der öffentlich als Lomonds Mitſchuldiger erklärt ward) ſogleich in den tiefſten Kerker zu werfen, und ihn ſo zu verſchließen, daß Niemand ihn weder ſehen noch ſprechen könne.
Indeß beſaß der Caſtellan doch von jeher Rode⸗
riks volles Vertrauen; er war auch ſeinem Herrn mit
Leib und Seele blindlings ergeben. Deßhalb machte ihn Roderik in der Folge zum Vertrauten jener Gräuel⸗ that, obſchon Lomond noch fernerhin vor aller Welt für Eumeliens Mörder galt. Roderik ſelbſt ſuchte ſich mit dem Scharfſinne des Verbrechers zu beſchönigen, indem er einen Theil der Schuld auf Lomond wälzte, den er für die veranlaſſende Urſache des verübten Ver⸗ brechens und für den böſen Geiſt erklärte, der ihn zum Morde der ſchuldloſen Gattinn trieb. Eben ſo warf er auch auf Urisk einen glühenden Haß, weil er ihm jene Inſammenkunft verrathen hatte. War aber dieſer Haß gleich die erſte Urſache, den böſen Diener in den Kerker verſchließen zu laſſen, ſo trug eine zwey⸗ te, die er ſich ſelbſt nicht geſtand, zu dieſer Mißhand⸗


