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Lebensbilder / von Christoph Kuffner
Entstehung
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166 und ſchön; da ſtürzten zum erſten Mahl Thränen aus Roderiks Augen; er warf ſich mit ausgebreiteten Ar⸗ men über den Sarg, als wollte er die Leiche umfaſſen, die aber, wie in ihrer heiligen Ruhe von einem Un⸗ heiligen geſtört, im Augenblicke der heftigen Sarger⸗ ſchütterung ſo plötzlich zu nichtigem Staube zerfiel, daß auch keine Spur von körperlicher Geſtalt übrig blieb.

Vom heftigſten Schrecken zu einer noch ſchreckli⸗ cheren Gleichgültigkeit übergehend, hob Roderik den Sarg mit Rieſenkraft empor, trug ihn mit der äußer⸗ ſten Anſtrengung über die enge Wendeltreppe, und ſtellte ihn tief in die Niſche hinein.

Eines Tages kniete er, was er oft ſtundenlang that, vor dem Sarge und der Aſche der Todten, die ihm Troſt und Verzweiflung zugleich einzuflöſſen ſchien. Er bethete inbrünſtig, und ſeine zum Himmel erhobe⸗ nen Augen zeigten, daß ſeine entzündete Phantaſie die Geſtalt der Verklärten erblickte. Von einem leiſen Rauſchen geweckt, wendete er ſich, und vor ihm ſtand eine lilienweiße Huldgeſtalt. Keiner Bewegung mächtig, ſtarrte er der lichten Erſcheinung entgegen, bis dieſe, langſam zu ihm hinſchwankend, mit melodiſcher Trauer flüſterte:Gott ſey mit Euch! Erkennet mich! Nicht Eumeliens Geiſt, Ethelinde ſteht vor Euch!