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Lebensbilder / von Christoph Kuffner
Entstehung
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Die Geiſterfurcht verminderte ſich zwar nun in dem Grade, als ſich die Zimmerbeleuchtung vermehrte; al⸗ lein eine andere, nicht weniger peinigende Furcht ſtellte ſich dafür ein, gleich einer ablöſenden Schildwache, die Furcht vor Dieben, Räubern und Mördern. Na⸗ türlich war nun vor Allem zu unterſuchen, ob alles feſt verſchloſſen ſey; ſelbſt die Fenſter mußten ſich einiges Mißtrauen gefallen laſſen. Aber hier erwartete ein neuer Schlag des Schickſals das arme Mädchen; denn wie ſie, in jeder vor ſich hingeſtreckten Hand einen Leuchter hoch empor haltend, die Runde hielt, wurde ein obe⸗ res, nicht feſt genug verſchloſſenes Fenſter von einem plötzlich anfallenden Windſtoße ſo heftig aufgeriſſen, daß ein ganzer Glas⸗Hagelregen auf ſie herabſtürzte.Hül⸗ fe! Hülfe! ſtöhnte ſie leiſe; aber die Hülfe kam nicht. Um zu den Dienſtleuten zu gelangen, mußte ſie eine Treppe hinab ſteigen und durch einen großen Vorſaal gehen. Das war denn aber doch geradezu unmöglich! Im dritten Zimmer ſchlief freylich der alte Vater, deſſen Geburtstag mit der zwölften Stunde begann; er ſchlief aber gewöhnlich ſo ſanft und erwachte dann ſo früh, ſeine Ruhe war ihr heilig, und ſie be⸗ ſchloß, lieber in dieſer qualvollen Nacht zu vergehen, als ſeinen Schlaf zu ſtören, der dem Tode des Gerech⸗ ten glich.