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345 entfaltet? Er nahm ſich vor, ſie Nachmittags, wie ſonſt, zu beſuchen, ſchon um die Geliebte nicht ungehört zu ver⸗ urtheilen. Mit dieſem Abſchluſſe fuͤhlte William ſich frei genug, was er geſtern ſo ſchmerzlich empfunden hatte, in einigen Verſen niederzuſchreiben. So gewann die Ge⸗ wohnheit wieder einige Macht über ihn. Denn was aus den täglichen Begegniſſen des Lebens tiefer, wenn auch nicht dauernd, ſein Herz bewegte, faßte er gern in die abgezählten Reihen eines Sonetts, wodurch jene kleinen Gedichte entſprangen, die wie Monatröschen mit leichtem Duft das ganze Jahr hindurch nachwuchſen. Während er dieſe Verſe faßte und niederſchrieb, betrat Southampton das Haus zu einem Morgenbeſuche. Nelly, die eben das Frühſtück für William hinaufbringen wollte, empfing mit lächelnder Verlegenheit den Grafen an der Treppe, und eröffnete ihm das Verbot des Freundes. Als Veran⸗ laſſung deſſelben theilte ſie ihm leiſe und haſtig mit, was Milliſent zufällig von ſeinem Beſuche bei Thekla erzählt hatte.
Betroffen und betrübt verſetzte, halb vor ſich hinge⸗ ſprochen, der Graf:
Mein Gott! Dieſer arme Spenſer—. Bettler, die man beſchenkt, pflegen als Dank auszurufen: Gott ver⸗ gelt's tauſendfach! So vergilt dieſer arme Spenſer die ſüße Täuſchung eines Jüngers, in der er hinüberſchlum⸗ merte, mit unvermeidlicher Enttäuſchung. Wie gern hätte ich dem Freunde den Schmerz erſpart: doch eine höhere Fügung greift abermals über unſer Herz und Haupt hin⸗ aus, und erreicht ihn.——— Sagt unſerm guten William, liebe Frau, ich ſei dageweſen, doch kein Freund


