„Mein Herr, ich verhafte Sie im Namen des Geſetzes,“ erwiderte der Beamte ruhig.„Sie ſehen, Widerſtand wäre ver⸗ geblich, bei dem erſten Verſuche dazu würden Sie mich nöthigen, Ihnen die Handſchellen anzulegen.“
Die Hand Heinrich's fuhr blitzſchnell in die Bruſttaſche.
„Ich kenne Sie nicht,“ ſagte er,„was berechtigt Sie, dieſe Sprache zu führen?“
„Ihr Verbrechen, Herr Heinrich Schenk, Sie ſind der Mit⸗ ſchuld an einem Giftmorde angeklagt und dieſe Anklage wird durch vollgültige Beweiſe unterſtützt. Genügt Ihnen das nicht, meine
Berechtigung zu beweiſen, ſo leſen Sie dieſe Depeſche, die Behörde
Ihrer Heimath beauftragt mich darin, Sie zu verhaften.“
Heinrich war raſch zurückgetreten, ſein Blick ſchweifte flüchtig, prüfend über ſeine Gegner.
Die Gensdarmen ſtanden an der Thüre, der Beamte ſeitwärts neben dem Tiſche, der Chevalier wenige Schritte vor ihm.
„Das Alles ſind die Machinationen dieſes Ehebrechers,“ ſagte er, mit der kinken Hand auf den Chevalier zeigend,„mag er nun auch den Lohn für ſeine Schurkerei erhalten!“
In der rechten Hand Heinrich's blitzte der Lauf eines Piſtols,— er Schuß krachte, pfeifend fuhr die Kugel dicht an der Schläfe des Chevaliers vorbei, ohne weitern Schaden anzurichten, als daß ſie ein Bild zertrümmerte, welches an der Wand hing.
Und noch ehe der Chevalier und die Beamten ſich von ihrer Beſtürzung und ihrem Entſetzen erholt hatten, fiel ſchon der zweite Schuß.
Die blauen Dampfwölkchen verzogen ſich, die geballte Hand auf dem Herzen lag Heinrich Schenk auf dem Teppich.
Er lebte noch, aber lange konnte es nicht mehr mit ihm währen.
Die Gensdarmen hoben ihn auf und legten ihn auf das Bett, der Chevalier ſchickte zum Arzte.
Inzwiſchen ſah der Beamte die Papiere durch, welche auf dem Tiſche lagen.
Wenn es noch eines Beweiſes gegen den Verbrecher bedurft hätte, der Schein, der neben den Werthpapieren bei den Briefen an Merville lag, würde ihn geliefert haben.
er Chevalier drang in den Sterbenden, ein offnes Geſtänd⸗ niß abzulegen, er verſprach ihm, ſeinen letzten Willen zu erfüllen, wenn er noch einen Wunſch hege,— Heinrich ſchüttelte den Kopf, das einzige, was er ſprach, war eine Verwünſchung darüber, daß er das erſehnte Ziel nicht erreicht hatte.
So ſtarb er ohne Reue, ohne Buße, ein hartgeſottener, ver⸗ ſtockter Sünder, ein Egoiſt noch in der Todesſtunde. Er entzog
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