Jahrgang 
3
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Bertha noch immer gefeſſelt blieb und der Chevalier die Früchte ſeiner heroiſchen Aufopferung nicht ernten konnte.

Hätte er nur damals den Warnungen und dem Rache ſeiner Genoſſin nachgegeben und dieſem Chevalier die Thüre gezeigt!

Wie ganz anders wäre es gekommen, wenn er es gethan hätte!

Nach den Behauptungen Maria's konnte der Giftmord nicht bewieſen werden, die Bank hätte die Hinterlaſſenſchaft ohne Weigerung ausgezahlt und Scherenberg wäre vielleicht durch ein, wenn auch nicht unbedeutendes Opfer zum Schweigen bewogen worden. Der Chevalier allein hatte Alles verdorben, das verzieh Heinrich ihm nicht.

Das Schickſal Maria's bereitete ihm keine Sorgen, nur der Rauſch ſeiner ſinnlichen Leidenſchaft und das Verbrechen hatten ihn an ſie gefeſſelt, jetzt waren dieſe Feſſeln zerriſſen, und die Genoſſin galt ihm nicht mehr wie jede andere fremde Perſon.

Mochte ſie zuſehen, wie ſie der Gefahr entrann, er hatte genug

mit ſich ſelbſt zu ſchaffen.

Nachdem er all die Laſten und Sorgen, die vordem ihn nieder⸗ drückten, abgeſchüttelt hatte, war er wieder der kühne, entſchloſſene und umſichtige Mann, der jeder Gefahr eine eiſerne Stirne bot, der keinen Blick zurückwarf in ſeine Vergangenheit, ſondern nur vorwärts ſchaute und vorwärts ſtrebte.

Der Zug hielt Heinrich nahm die Schatulle und ſeine Reiſetaſche und ſtieg aus.

Er war noch lange nicht an ſeinem Ziele angelangt, aber er mußte befürchten, daß die Verfolgung ſchon begonnen hatte, und da zog er vor, nicht abzuwarten, ob vielleicht das bärtige Geſicht eines Gensd'armen, ſeinen Paß fordernd, in das Coupe plötzlich hineinſchauen würde.

So weit war die Grenze nicht mehr entfernt, er konnte ſie zu Fuß erreichen und es war beſſer, wenn er ſie auf dieſem Wege heimlich, unbemerkt überſchritt, weil ſeine Spur dadurch unter⸗ brochen wurde.

Er ſah die Gensdarmen, die auf dem Perron ſtanden, vielleicht fahndeten ſie ſchon auf ihn, er ſchlich an ihnen vorbei und ſchlug einen Fußpfad ein, der ihn an der Stadt vorbei auf die Landſtraße brachte, die nach ſeiner Berechnung zur Grenze führte.

Es war der richtige Weg und für ihn war dies ein Glück, denn der Telegraph hatte die Behörden ſchon alarmirt. Er erreichte gleich nach Tagesanbruch die Grenze, und erſt jetzt als er ſie überſchritten hatte, fühlte er, daß er zu ſehr erſchöpft war, um ſofort ſeine Wanderung fortſetzen zu können.

Er kehrte im erſten Dorfe ein und forderte in der Schenke ein beſonderes Zimmer.