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1 jungen Ehepaare an der Tafel, die mit dem letzten Zuge um elf Uhr eine kurze, nur dreitägige Reiſe antreten wollten. 1 Die Stunde war gekommen, in der die Luſt die letzten
6 3 Schranken niederreißt, um in ungebundener Freiheit auszutoben 1 und der Schenkwirth, weit entfernt, dem lauten Jubel eine ernſte Mißbilligung entgegenzuſetzen, war unter den Fröhlichen wohl der
Fröhlichſte.
6 Da fuhr plötzlich kurz nach neun Uhr ein Wagen vor, die
Gäſte bemerkten es nicht, nur das ſcharfe Ohr des Schenkwirths
hatte das Geräuſch der Räder vernommen. Gleich darauf wurde
er abgerufen.
Herr Heinrich Schenk und eine fremde Dame erwarteten ihn in ſeinem Schlafzimmer, ſagte die Magd.
Dem alten Manne war die Störung unangenehm, er hatte ja heute ſchon einmal eine unerquickliche Unterredung mit ſeinem Sohne gehabt, was wollte Heinrich nun noch von ihm?
Abweiſen konnte er ihn nicht, ſo ging er in das Zimmer, in welchem die Beiden ihn erwarteten.
Heinrich ſtellte ihm die Dame als die Gräfin von Laroche vor, die ſeine Gattin ſo liebevoll und aufopfernd während ihrer Krankheit gepflegt habe, und Bertram Schenk empfand ſofort eine
4 Abneigung gegen dieſe Dame, deren Grund er ſich ſelbſt nicht erklären konnte.
„Die Frau Gräfin befindet ſich auf der Reiſe nach Berlin, um die Leiche ihres Gatten zu holen, der dort plötzlich geſtorben iſt,“ ſagte Heinrich,„ſie will mit dem Zuge um elf Uhr abreiſen.“
Das Mißtrauen und die Abneigung des alten Mannes waren durch dieſe Bemerkung eher befeſtigt, als beſeitigt.
4 Was kümmerte denn ihn das Vorhaben dieſer Gräfin, die ihm
8 ganz unbekannt war?
7 Und auf der andern Seite war es doch ein ganz ſonderbares Zuſammentrefſen, daß die Gattin Heinrich's und der Gemahl dieſer ihm befreundeten Dame ſo zuſagen gleichzeitig ſtarben, ein Zuſammentreffen, welches manchem Argwohn Raum geben konnte.
Bertram Schenk ſchwieg, er wußte ja nicht, was Heinrich mit dieſen Mittheilungen bezweckte, und ſo lange ex dies nicht wußte,
2 mußte er auch in Zweifel darüber ſein, welchen Standpunkt er
einnehmen und behaupten mußte.
3„Die Frau Gräfin hat mich gebeten, ſie zu begleiten,“ fuhr
Heinrich nach einer kurzen, peinlichen Pauſe fort,„ich würde dieſe
8 5 Bitte gerne erfüllen, wenn mein Geſchäft eine Abweſenheit von mehreren Tagen erlaubte.“ „Ich ſehe das ein,“ ſagte Marie Latour mit ihrer weichen,
einſchmeichelnden Stimme,„und ſo ſehr ich auch die Begleitung


