Jahrgang 
3
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— 887— ſo aber rette ich Dir wenigſtens ſo viel, daß Du Dir eine be⸗ ſcheidene Exiſtenz ſichern kannſt.“

Heinrich hörte die letzten Worte nicht mehr, er eilte hinaus, zurück in ſeine Wohnung, in der zu den alten neue Sorgen ihn erwarteten.

Er hatte ſein Kabinet kaum betreten, als ihm der Beſuch zweier Herren gemeldet wurde, die dringend mit ihm zu reden verlangten und ſchon ſeit einer halben Stunde ſeine Rückkehr er⸗ warteten.

Abgewieſen konnten ſie nicht werden, denn ſie hatten geſehen, daß er zurückgekehrt war.

Und trotzdem würde Heinrich ihren Beſuch nicht angenommen haben, wenn er gewußt hätte, wer dieſe Beiden waren.

„Auch das noch!“ murmelte er, als er in dem erſten Eintre⸗ tenden den Vetter ſeines ehemaligen Principals, den Bettler von Breslau, erkannte.

„Sie werden die leicht begreifliche Hoffnung gehegt haben, daß ich in meine Heimath zurückgekehrt ſei und nicht mehr daran denke, einen Anſpruch auf die Hinterlaſſenſchaft meines Vetters zu machen,“ nahn der lange Chriſtian das Wort, der auf ſeinen

Stock geſtützt in ſehr entſchiedener, faſt herausfordernder Haltung

vor dem jungen Manne ſtand.„Das iſt nun, wie Sie ſehen, nicht der Fall, ich bin heute feſter denn vorher entſchloſſen, dieſe Anſprüche geltend zu machen.“

„Wie es Ihnen beliebt!“ erwiderte Heinrich, kurz angebunden. „Thun Sie es am geeigneten Orte, es iſt überflüſſig, daß Sie hierher kommen, um mir zu drohen.“

„Sie ſtützen ſich noch immer darauf, daß der Schleier, der Ihr Verbrechen bedeckt, nicht gehoben werden könne, fuhr Scherenberg fort.„Ich ſage Ihnen, er iſt gehoben, die Beweiſe find in meiner Hand.“

„Wirklich?“ ſpottete Heinrich, der die feſte Ueberzeugung hegte, daß das nur ein Schreckſchuß, eine Falle ſei.

„Sie zweifeln daran?“ fragte der Begleiter Scherenbergs. „Ich war Wärter in der Anſtalt Merville's, und ich weiß mehr, als Ihnen lieb ſein kann.“.

„So ſo,“ fuhr Heinrich fort, eine Gleichgültigkeit heuchelnd, die ſeiner Seele fremd war,„ich habe mit dem Schuft Merville nichts gemein gehabt!“

„Werden Sie das auch dann noch behaupten, wenn wir Ihnen beweiſen, daß mein Vetter ſehr genau Ihre Beziehungen zu Merville kannte?“ fragte der lange Chriſtian.„Sie haben ſich vortrefflich vorgeſehen, aber dabei vergeſſen, daß es einen Richter über uns gibt, dem nichts verborgen bleibt. Herr Müller, wollen