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„Was berechtigt Sie zu dieſer Sprache?“ fuhr Heinrich gereizt auf.„Sie haben noch keine Urſache, zu glauben, daß ich Sie betrügen will.“—
Ein eigenthümliches Lächeln breitete ſich über das pockennarbige Geſicht des Sohnes Iſraels. In dieſem Lächeln lag Alles, was man darin finden wollte, Spott, Hohn, Verachtung, beſſere Ueber⸗ zeugung und Angſt.
„Wenn Sie das nicht wollen, ſo zahlen Sie, was Sie mir ſchuldig ſind,“ fuhr Levinſohn fort,„ich habe gehabt Geduld, ſo ange—“
„Und Sie werden ſich noch länger gedulden müſſen,“ fiel Heinrich ihm in's Wort.„Ich weiß nicht, welcher Umſtand dieſe allgemeine Angſt ſo plötzlich hervorgerufen hat. Glaubt man denn, ich ſei ſchon bankerott?“
Levinſohn zuckte die Achſeln.
„Meine Ausſtände decken die Schulden vollſtändig—“
„Wenn das iſt, ſo tilgen Sie die Schulden—“
„Das Vermögen meiner verſtorbenen Gattin—“
„Schwindel, lieber Freund! Die Bank zahlt es nicht aus, es iſt ein Teſtament im Hintergrunde, wenn Sie der Erbe wäre, bedürfte es keines Teſtamentes.“
„Das wiſſen Sie alſo auch ſchon?“ fragte Heinrich, der trotz der Beſtürzung ſeine Faſſung nicht verlor.
„Natürlich weiß ich es,“ fuhr Levinſohn fort,„ich werde mich doch nach den Verhältniſſen meiner Schuldner crkundigen! Machen Sie mir keine Flauſen, ich verlange Geld.“
„Nun wohl, Geld habe ich augenblicklich nicht, die ausſtehen⸗ den Kapitalien ſind gekündigt, aber es vergehen noch Monate, ehe ich ſie flüſſig machen kann. Meine Geſchäftsforderungen gehen ebenfalls ſehr langſam ein, womit alſo ſoll ich die Schulden tilgen? Ich mache Ihnen aber einen annehmbaren Vorſchlag. Dieſes Haus iſt noch nicht belaſtet, zahlen Sie mir zwanzigtauſend Thaler, ſo gebe ich Ihnen eine notarielle Verſchreibung, in welchem ich Ihnen dieſes Haus mit ganzen Einrichtung mit Equipagen und Pferden verpfände. Sie werden den Werth zu taxiren wiſſen, wenn ich ihn gering anſchlage, ſo beträgt er fünfzigtauſend Thaler, Sie ſind alſo durch die Verpfändung für Ihre Forderung gedeckt.“
„Gott Abrahams— wie ſchlau!“ ſpottete der Sohn Iſraels. „Sie wollen verpfänden, was nicht iſt Ihr Eigenthum?“
„Herr Levinſohn!“
„Ereifern Sie ſich nicht, guter Freund, die Sache iſt ſehr klar. Dieſes Haus ſammt der Einrichtung iſt geweſen das Eigen⸗ thum Ihres Schwiegervaters und übergegangen nach ſeinem Tode auf Ihre Frau. Wenn nun das Teſtament Ihrer Frau beſtimmt,


