Jahrgang 
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Dieſer Wettſtreit, an welchem nicht allein Tante Thereſe, ſondern auch Frau Schenk Theil nahm, währte ſo lange, bis man ſich dahin einigte, daß das Loos entſcheiden ſolle, und nun ging der Schenkwirth als Sieger aus dieſem Streite hervor.

Die Trauung wurde am Vormittag in der Pfarrkirche vor einigen Zeugen vollzogen, die Gäſte waren auf den Mittag ge⸗ laden, und Bertram Schenk beabſichtigte, ſie vor Mitternacht nicht zu entlaſſen. Das ſtand allerdings nicht recht im Einklang mit dem Trauerfall, auf den der Bankier ſich berufen hatte, aber der Schenkwirth geſtand ganz offenherzig, daß dieſer Trauerfall in ſeine Familie nicht tief eingegriffen habe, da ja die Verſtorbene ihr ſtets fremd geblieben ſei.

Ueber dieſen Todesfall hatte man in der Stadt gar nicht ge⸗ ſprochen, man war mit einigen Worten der Theilnahme für den ſchwer geprüften Gatten der Verſtorbenen darüber hinweggegangen und man mußte es begreiflich finden, daß die Geſchwiſter des Hinterbliebenen deshalb ihre Hochzeit nicht verſchieben wollten.

Die Gäſte bildeten, wie man zu ſagen pflegt, eine ſehr ge⸗ miſchte Geſellſchaft.

Der Friſeur Gabel mit ſeiner Braut, der Marchand⸗Tailleur Wacker mit ſeiner Gattin und einige andere Bekannte des Schenk⸗ wirths mit ihren Frauen und Töchtern konnten ſich nicht wohl mit den Freundinnen Eugenie’'s und den ſpeziellen Freunden Schirmer's vereinigen und ſo war es denn eine ganz natürliche Folge, daß die Geſellſchaft ſich in zwei Kreiſe trennte und zwiſchen dieſen beiden ſich eine Schranke bildete, die Niemand gerne überſtieg.

Aber trotz alledem herrſchte in dem Kreiſe eine heitere gemüth⸗ liche Stimmung, die mit der ſteifen, förmlichen Etikette am Hoch⸗ zeitstage Bertha's nichts gemein hatte.

Und Bertram Schenk war ganz dazu geſchaffen, die fremden Elemente einander näher zu führen, ſeine ungezwungene Liebens⸗ würdigkeit, ſeine Offenherzigkeit und ſein Humor ruttelten mehr und mehr an der Schranke, bis ſie endlich, wenn auch nur theil⸗ weiſe, fiel.

Es fehlte auch hier nicht an Trinkſprüchen und theils ernſten, theils launigen Reden; ſogar der Friſeur Gabel wagte es, ſein oratoriſches Talent zu verſuchen und nicht allein ſich, ſondern auch die Gäſte durch die kühnen Wendungen und Seitenſprünge, die er hineinflocht, in Verzweiflung zu bringen.

Auch Fritz Wacker erlaubte ſich, eine Rede zu halten und ihr gebührte die Krone des Abends.

Der Schneidermeiſter hatte nie vorher ſeine Lügen über China, „das himmliſche Reich,“ ſo ſtark aufgetragen, wie er es heute