„Richtig,“ erwiderte er,„und das Mädchen, welches bei ihm ſteht, iſt dasſelbe, deſſen Arbeit voll bezahlt wurde.“
„Möchte doch gerne wiſſen, was der Leuteſchinder ſo angelegentlich mit ihr zu verhandeln hat,“ ſagte der lange Chriſtian leiſe.„Ich traue dem Fuchsgeſicht nicht, wenn wir dort hinter den Mauer⸗ vorſprung treten, können wir—“
„Spioniren?“ fragte der Weber vorwurfsvoll.
„Na, die Spionage iſt manchmal ſehr rathſam, kommt.“
Behutſam ſchlichen die Beiden ſich hinter den Vorſprung, weder der Werkmeiſter, noch das Mädchen bemerkte ſie.
„Was wollt Ihr?“ ſagte der Werkmeiſter.„Arbeit findet Ihr ſobald nicht und ehe die Spinnerei wieder aufgebaut iſt, kann ein ganzes Jahr verſtreichen. Der Hunger thut auch weh — alſo—“
„Dennoch ſehe ich nicht ein, daß die Noth mich zwingen könnte, meine Unſchuld und meine Ehre preiszugeben,“ fiel das Mädchen ihm unwillig in's Wort.
„Aber wer erfährt es denn? Niemand. Seid doch nicht ſo ſpröde, ich kann ihrer ein Dutzend finden—“ 3
„So geht doch zu ihnen, Ihr hört ja, daß ich nicht will.“
„Ah— bah, Ihr wollt nicht, weil Ihr das Gerede fürchtet, ich bin verſchwiegen—“
„Ich will nicht, weil mir meine Ehre—“
„Was ſchwätzt Ihr doch nur von Ehre! Geehrt iſt der, der Geld in der Taſche hat, wenn ich Euch dazu verhelfe, könnt Ihr Jeden auslachen, der—“
„Laßt mich gehen!“
„So ſträubt Euch doch nicht, kommt, meine Wohnung iſt nahe hierbei, kein Menſch ſoll es erfahren.“
„Den Arm fort!“ rief das Mädchen gereizt.„Ich mag weder von Euch, noch von Euren ſchamloſen Anträgen etwas wiſſen.“
„Seid doch nicht ſo ſpröde, heute oder morgen, einmal zwingt Dich doch die Noth—“
Weiter kam der Schuft nicht.
Ein gewaltiger Schlag von Oben trieb ihm den hohen Cylinderhut über das Haupt bis auf die Schultern hinunter.
Hageldicht fielen die Schläge, der lange Chriſtian und Kunibert Scharf ſchienen das ganz vortrefflich zu verſtehen.
Das Müädchen warf den Beiden einen dankbaren Blick zu und eilte von dannen
„So, Burſche, jetzt wirſt Du wohl Zeitlebens an dieſen Abend
denken,“ ſagte Scherenberg endlich, indem er ſeinem Opfer einen Stoß gab, daß es mit der Naſe auf das Pflaſter fiel.„Wenn Dich Einer fragt, wer Dir den Denkzettel gegeben habe, ſo ſage


