Jahrgang 
2
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Achtundſiebenzigſtes Kapitel.

Kette und Einſchlag.

Chriſtian Scherenberg, der Bettler von Breslau, oder der lange Chriſtian, hatte auf die ihm in Ausſicht geſtellte Erbſchaft nicht den mindeſten Werth gelegt.

Wenn der Advokat, der ihn darauf aufmerkſam gemacht hatte, die Sache betreiben wollte, ſo mochte er das immerhin thun, dem langen Chriſtian war es vollſtändig gleichgültig, ob dabei etwas herauskam oder nicht. Er war an dieſes vagabundirende, obdachloſe Leben ſo ſehr gewöhnt, daß er durchaus kein Verlangen danach trug, es mit einer andern, beſſeren Lebensweiſe zu vertauſchen, ja er fürchtete ſogar, in ſeinen früheren liederlichen Lebenswandel zurückzufallen, wenn ihm die Glücksgöttin wieder ihre goldenen Gaben in den Schooß warf. Und was hätte er dann gewonnen? Nach kurzem Rauſch abermals Eckel, Ueberdruß, Armuth und Elend! Da war es beſſer, wenn er ruhig in ſeinem Geleiſe blieb.

Er wich dem Advokaten aus, er wußte, daß dieſer ihn ſuchte,

um über die Erbſchaftsangelegenheit mit ihm zu reden, wozu konnte dieſe Unterredung nutzen? Es waren Worte genug ver⸗ loren worden. Aber der Advokat hatte ſein eigenes Geld dazu hergegeben, um dieſe Angelegenheit zu betreiben, es lag alſo in ſeinem eignen Intereſſe, ſie zum Austrag zu bringen und für ſeine Koſten und Mühe ſich bezahlt zu machen.

Er kannte die Abneigung des langen Chriſtian gegen dieſe Sache, aber ſie konnte und durfte ihn nicht abhalten, ſein eigenes Intereſſe zu wahren.

Und dieſes Intereſſe war ſehr gefährdet, ſeitdem der Rechts⸗ konſulent Wimmer ihm den Ausgang der Erbſchaftsangelegenheit mitgetheilt hatte...

Er ſuchte den Bettler ſo lange, bis er ihn eines Tages in der Abenddämmerung in einer Schenke hinter dem Bierglaſe antraf.

Nothgedrungen mußte Scherenberg ihm jetzt Rede ſtehen, wenn er einen öffentlichen Scandal vermeiden wollte.

Ihr ſeid ein ſchöner Held, ſagte der Advokat unwirſch, nachdem er ihm gegenüber Platz genommen hatte,zunächſt be⸗