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Vernichtet ſank Heinrich in ſeinen Seſſel zurück, krampfhaft umklammerte ſeine Hand die Armlehne, während in ſeinen Augen die Gluth des Haſſes jäh aufloderte.
„Daran erkenne ich den Schuft,“ ſagte er mit dumpfer, heiſerer Stimme,„mir erklärte er, ſämmtliche Papiere bei ſich zu führen.“
„Und Sie glaubten ihm,“ fuhr Maria gelaſſen fort.„Natürlich, es lag für Sie ja kein Grund zu einem Mißtrauen vor. Da war es denn der kürzeſte Weg, ihn ſeiner Brieftaſche zu berauben und ihm ein Grab in den Wellen zu bereiten.“
„Madame!“ fuhr Heinrich auf.
„Entſchuldigen Sie, ich bin noch Fräulein. Wenn Sie glauben, mich in meinen Combinationen verwirren, oder durch Drohungen mich einſchüchtern zu können, ſo irren Sie, ich habe Zeit genug gehabt, über die Sache nachzudenken. Man hat die Leiche in Mülheim aufgefiſcht, Uhr und Börſe fand man, das Portefeuille fehlte, das Gericht mag auf dieſes letztere keinen Werth gelegt haben, es war ja möglich, daß der Verunglückte kein Portefeuille beſeſſen hatte.“
Der ſtarre, glühende Blick Heinrich's ruhte unverwandt auf dem Antlitz der jungen Dame, es war der Blick eines Tigers, der im Begriff ſteht, ſich auf ſein Opfer zu ſtürzen.
„Wiſſen Sie ſo genau, daß das Portefeuille fehlt?“ fragte er.
„Ich war geſtern Abend in Mülheim, Sie hatten kurz vorher die Sachen des Ertrunkenen beſichtigt.“
Heinrich fuhr von ſeinem Seſſel empor— alſo auch das wußte ſie!
Noch vor einer halben Stunde hatte er ſich in Sicherheit gewiegt, darauf gepocht, daß Niemand ihm etwas anhaben könne und nun mußte er ſich ſchon den Bedingungen eines Weibes fügen, wenn er dem rächenden Arme der Gerechtigkeit ſich entziehen wollte.
Er ſah ein, daß er verloren war, wenn er es nicht that, die Sicherheit, mit der dieſe Dame auftrat, die Ruhe, mit der ſie ihm ſeine Verbrechen vorhielt und der Ernſt, mit dem ſie ſeine Einwürfe ſo energiſch zurückwies, ſie mußten ihm beweiſen, daß ſie entſchloſſen war, ihre Vortheile zu verfolgen und ihn zu vernichten, wenn er ihre Anſprüche nicht befriedigte.
Und es war vorauszuſehen, daß ſie dieſelben Anſprüche erhob, welche Merville an ihn geſtellt hatte.
„Sie werden nun begreifen, daß Sie das Verbrechen nutzlos verübt haben,“ fuhr Maria nach einer kurzen Pauſe fort, während ſie mit den ſeidnen Quäſtchen ihrer eleganten Handſchuhe ſpielte. „Glauben Sie mit mir leichteres Spiel zu haben, ſo täuſchen Sie ſich, für den Fall meines plötzlichen Todes werden die Papiere in
andere Hände übergehen, und es fragt ſich, ob—“


