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„Sie ſind Herr Heinrich Schenk?“ fragte ſie und der Wohl⸗ klang ihrer ſympathiſchen Stimme erhöhte den Reiz, den ihre Schönheit ausübte.
„Zu befehlen,“ erwiderte Heinrich, während er dienſteifrig einen Seſſel hinſchob,„mit wem habe ich die Ehre?“
„Marie Latour iſt mein Name, triftige Gründe bewegen mich, hier unter dem Namen Amalie Leroi aufzutreten.“
Heinrich blickte befremdet die Dame an, welche Gründe konnte ſie haben, einen falſchen Namen zu führen, und welches Intereſſe knüpfte ſich für ihn daran, daß ſie es ſo vertrauensvoll ihm ſagte?
„Sie ſtanden mit Herrn Merville in näherer Beziehung,“ fuhr Marie fort, die großen, dunklen Augen feſt und forſchend auf das plötzlich erbleichende Antlitz des jungen Herrn richtend,„Herr Merville nahm Ihren Aſſocie in ſeine Irrenanſtalt auf.“
Heinrich nickte— ihm ahnte ſchon, daß dieſe Unterredung ein unangenehmes Ende nehmen werde.
„Es iſt wahr,“ ſagte er,„mein Aſſocie wurde plötzlich in London irrſinnig und—“
„Mir iſt das Alles bekannt,“ unterbrach Marie ihn, ihre Worte ſcharf betonend,„ich war damals im Hauſe des Herrn Merville. Erſchrecken Sie nicht,“ fügte ſie lächelnd hinzu,„nicht als Patientin, ſondern als Wirthſchafterin. Herr Merville hatte vor mir keine Geheimniſſe.“
Den Nachdruck, den Maria auf das vorletzte Wort legte, machte in den Adern Heinrich's das Blut ſtocken.
Aber wenn dem auch ſo war, ſie hatte ja ebenfalls keine Be⸗ weiſe gegen ihn, wenn ſie ſich erkühnte, ihm zu drohen, konnte er ihr die Thüre zeigen.
Dieſer Gedanke ermuthigte ihn.
„Ich will das gerne glauben,“ ſagte er ruhig,„aber—“
„Sie wollen fragen, was Sie damit zu ſchaffen hätten?“
„Allerdings. Mein Aſſocie iſt leider geſtorben, Herr Merville hat die Kur⸗ und Verpflegungskoſten erhalten—“
„Ganz recht, um die Belohnung aber, die er nach dem Tode Ihres Aſſocie's erhalten ſollte, wurde er betrogen.“
Die Beſtürzung Heinrich's wuchs, er mußte nun doch bald einſehen, daß dieſe Dame mehr wußte, wie er ahnte und wie ihm lieb ſein konnte.
„Ich verſtehe Sie nicht,“ ſagte er, noch immer ſeine äußere Ruhe bewahrend.
Der Blick Marias ſchien in die innerſten Falten ſeiner Seele dringen zu wollen.
„Sie wollen mich nicht verſtehen,“ erwiderte ſie,„aber ich


